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Reithosen – wie fair und nachhaltig ist die Produktion?

Reithosen – wie fair und nachhaltig ist die Produktion?

Reithosen – ein Must Have für jeden Reiter, ob aus Baumwolle, Leder oder Synthetik: Ich gehe heute der Herstellung von Reithosen auf den Grund – wie fair, wie nachhaltig werden Reithosen produziert? Wo kommen Reithosen eigentlich her? Was sagen Reithosenhersteller zur Produktion?

Beiträge über Reithosen gibt es viele. Auf Youtube zeigen Hersteller, wie wunderbar Reithosen in Deutschland zusammengenäht werden. Aber das ist oft nur die halbe Wahrheit. Seit dem Feuer in Bangladesh weiß die Welt, das die Modeindustrie eine schmutzige Industrie ist. Aber gilt das auch für Reithosen?

Ich habe einige renommierte Hersteller von Reithosen angefragt, aber auch Produktionsbetriebe in Indien. Dazu habe ich noch einige Recherchen durchgeführt – und heute möchte ich euch über die Herstellung und Herkunft von Reithosen erzählen.

Inhalt

  1. Wo werden Reithosen hergestellt?
  2. Wie werden Rohstoffe für Reithosen produziert?
  3. Wie viel kostet eigentlich eine Reithose – den Hersteller, den Händler und dich?
  4. Welche Hersteller wurden zum Thema Reithosen vom Traberblog befragt – und wer hat geantwortet?
  5. Wo finde ich fair gehandelte Reithosen?
  6. Leserumfrage – Ergebnisse

Wo werden Reithosen hergestellt?

Reithosen werden hauptsächlich im Ausland produziert, vor allem in Pakistan, Indien, China, Bangladesch oder Rumänien.

In Indien lassen beispielsweise Hersteller wie Waldhausen, Equiva, Pfiff, Loesdau und Busse produzieren (1). Leider erlauben es mir meine Mittel nicht, persönlich zu überprüfen, wie die Bedingungen vor Ort sind. Die angefragte Produktionsfirma in Indien mit Sitz in Kanpur ist im Besitz des SEDEX-Zertifikats und hält nach eigenen Angaben alle Standards ein. Dazu gehören Themen wie Arbeitsbedingungen, Arbeitssicherheit und Hygiene sowie Umweltmanagement. Ich habe direkt nach Kinderarbeit gefragt, dies wurde negiert (was ich leider nicht überprüfen kann).

Pikeur, alteingesessener renommierter Reithosenhersteller, produziert vor Ort in Werther aber auch im Ausland. Die Brinkmann-Gruppe, zu der Pikeur gehört, hat Standorte in Polen, Rumänien, Bosnien, Lettland und Indonesien, hier werden 90 Prozent der Kleidungsstücke hergestellt. In Deutschland werden die restlichen 10 Prozent produziert. Wie hoch der Reithosenanteil ist, lässt sich allerdings nicht sagen (Quelle: Linkfang.de/bugatti und wikipedia).

Der Reithosenhersteller goodfellow aus Bayern produziert Reithosen in Deutschland mit Materialien aus Deutschland und Österreich (eigene Angaben Webseite & Interview).

Seiler, ein Reithosenhersteller aus dem Erzgebirge, wirbt mit Herstellung vor Ort. Für nur 25 Euro mehr sind auch Maßanfertigungen möglich. Hier kostet eine Reithose durchschnittlich 140 Euro (eigene Angaben Webseite).

Was heißt denn eigentlich “Made in Germany”?

In Deutschland hergestellt, heißt nicht, dass das Produkt auch tatsächlich aus Deutschland stammt. Tatsächlich muss einer der folgenden Faktoren vorliegen (nach Wikipedia):

  1. hauptsächliche Herstellung der Ware in Deutschland
  2. entscheidender Wertschöpfungsanteil durch Zusammenbau oder das zusammennähen in Deutschland
  3. maßgebliche Veredelung des Produkts in Deutschland

Im Ausland durchgeführte Arbeits- und Produktionsschritte berechtigen Firmen durchaus zur Kennzeichnung “Made in Germany” – wenn die hauptsächliche Planung und Konzeption von Deutschland ausgeht (und auch teilweise verarbeitet wird). (Quelle: WBS LAW/ Rechtsanwaltskanzlei)

Wie werden Rohstoffe für Reithosen produziert?

Für die Produktion von Reithosen sind Rohstoffe wie Baumwolle oder Leder nötig, aber auch Synthetikmaterial.

Baumwolle in Reithosen

Faire Bedingungen für die Baumwollproduktion sind selten. Ist Bekleidung nicht nach GOTS zertifiziert oder trägt das Siegel “fair trade” (oder ein ähnliches Zertifikat), könnt ihr davon ausgehen, dass für eure Kleidung

  • unglaublich viel Pestizid verbraucht wird (Baumwolle ist anfällig)
  • Die Baumwollbauern den Giften täglich ausgesetzt sind und krank werden
  • sehr viel Süßwasser verbraucht wird
  • Kinder auf den Feldern arbeiten – freiwillig und unfreiwillig

Leder in Reithosen

Leder aus Indien, China oder Bangladesch ist billig. Vom Tierschutzgedanken abgesehen, wird das Leder mithilfe von Chrom oder anderen giftigen Materialien gegerbt und weiter verarbeitet. Die Arbeiter tragen keine Schutzkleidung, laufen oft barfuß. Die Lebenserwartung ist nicht hoch. Auch Kinder arbeiten in vielen Betrieben mit. (Quelle: 37 Grad-Reportage des ZDF “Gift auf unserer Haut”, “The True Cost”)

Synthetikmaterial in Reithosen

Kunstleder, Softshell oder Elasthane: Kunstfasern sind in. Das Synthetikmaterial in Reithosen kann beispielsweise Polyester (Erdölbasis), Polyamid (Erdölbasis), Polyurethan (Grundstoff für Elasthan) oder Polypropylen sein. Natürliche Chemiefasern natürlichen Ursprungs (bspw. Viskose) sind auch gebräuchlich. (Mehr Materialkunde unter TATEM). Die Ökobilanz für Synthetikmaterial ist tatsächlich insgesamt besser als für Baumwolle – wobei eindeutig Sieger ist, wer seine Klamotten lange trägt oder gebraucht kauft. Mehr zur Ökobilanz

Wie viel kostet eigentlich eine Reithose – den Hersteller, den Händler und dich?

Natürlich kommt es in erster Linie darauf an, aus welchem Material eure Reithose besteht und wo sie gefertigt wurde. Daher möchte ich euch auch nur ein einfaches Preisbeispiel nennen:

Produktionspreis Indien

Eine Reithose, produziert in Indien, kostet ab 1, 28 Euro bis ca. 15,00 Euro – je nach Machart und Abnahmemenge.

Einkaufspreis für Händler

Händler erhalten ihre Ware vom Hersteller (einige lassen direkt produzieren, das macht die Hosen billiger); der Einkaufspreis für eine Reithose guter Qualität liegt bei ca. 35-40 Euro (Preisbeispiel Reithosenhersteller aus dem Jahr 2007).

Verkaufspreis im Laden

Verkaufspreis im Ladengeschäft der Reithose liegt zwischen 109,00 und 140,00 Euro (gilt für das Preisbeispiel oben mit EK von rund 40,00 Euro).

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Preisbeispiel eines indischen Herstellers

Welche Hersteller wurden zum Thema Reithosen vom Traberblog befragt – und wer hat geantwortet?

Mitte April habe ich eine Email mit Fragen zur Produktion von Reithosen an folgende Hersteller gesendet:

goodfellow, EuroStar, Schockemöhle, Waldhausen, Loesdau, Krämer Pferdesport, Spooks, Cavallo, HKM Sports, Convalenzo, Pikeur, Sonnenreiter, Seiler

Alle Ansprechpartner sollten die folgenden Fragen – oder Teile davon – möglichst genau beantworten:

1. An welchem Stellenwert steht für Sie Transparenz in Sachen Herstellung und Produktion?
2. Beziehen Sie Stoffe oder Leder aus nachhaltigen Betrieben?
3. Wo lassen Sie Ihre Reithosen fertigen?
4. Wie stellen Sie die Qualität und Arbeitskriterien der Produktionsbetriebe sicher?
5. Unwürdige Arbeitsbedingungen in der Modeindustrie sind ein häufiges Thema: Wie gehen
Sie damit um bzw. wie kontrollieren Sie diese?
6. Ist „fair trade“ ein Thema für Ihr Unternehmen?
7. Wenn Sie ökologisch korrekt produzieren wollten, was würde dann eine Reithose bei Ihnen
kosten?
8. Wie sichern Sie die Qualität der Rohstoffe (Leder, Baumwolle,…)?

Krämer Pferdesport und HV Equestrian waren zwar interessiert, haben aber keine Fragen beantwortet. Der deutsche Reithosenhersteller “goodfellow” hingegen hat sich viel Zeit für meine Fragen genommen – seine Antworten findet ihr HIER. 

Alle anderen Hersteller haben meine Anfrage ignoriert.

Wo finde ich Reithosen, die fair und/ oder nachhaltig produziert werden?

Reithosen mit “trade fair” Label gibt es nicht.

Auch in Sachen Nachhaltigkeit und Material mit entsprechendem Bio-Zertifikat (z.B. Oekotex) gibt es großen Nachholbedarf, hier ist die Reitsport-Branche nicht auf der Höhe der Zeit.

Als Verbraucher habt ihr allerdings auch Macht: Schreibt den Herstellern, dass ihr gerne Reithosen tragt – aus nachhaltiger Produktion. Kauft entsprechend ein und macht um Fast Fashion einen Bogen. Investiert in Reitstunden statt jährlich in die neue Kollektion. Ihr könnt viel mehr bewegen, als ihr denkt. Und ja, ich habe früher auch so manches Schnäppchen auf der Messe geschlagen. Jetzt bin ich (etwas) schlauer und gucke erst einmal, woher ein Produkt stammt. Zeitloses Design, gute Qualität, transparente und faire Herstellung – das wärs, statt Flamingos und Einhörnern auf Schabracken und Reithosen.

Alternativ könnt ihr natürlich bei regionalen Herstellern einkaufen (goodfellow, Seiler, usw.), eure Reithosen gebraucht erwerben oder auf Jeans mit entsprechender Labelung umsteigen (ArmedAngels, Hess Natur, ManoMama aus Augsburg, Kuyichi, Bleed).

Eine gute Reithose macht zwar noch keinen guten Reiter – aber mal ehrlich: Kneift und zwickt die Hose, ist es mit entspannt sitzen nicht weit her. Ich hoffe, ich konnte ich mit diesem Beitrag ein wenig informieren und euren Blick schärfen: Kauft nicht gleich, nur weil es besonders billig ist. Letztlich habt ihr von einem hochwertigem Produkt mehr, dass viele Jahre hält.

Karo von 360°Pferd schreibt übrigens auch Interessantes in Sachen Nachhaltigkeit. Jeannette von “A life with horses” fragt sich, warum beim Pferdeshopping unser Verstand aussetzt und Dietmar von “Pferdekult” nimmt sich der Nachhaltigkeit in der Pferdehaltung an. Ihr seht, das Thema bewegt. 

Jetzt seid ihr dran: Wünscht ihr euch mehr Transparenz und Nachhaltigkeit im Reitsport oder ist das euch egal?

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Leserumfrage zum Thema Reithose (Facebook) – die Ergebnisse

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FRAGE 1: Wo kauft ihr eure Reithosen?

  • Online (neu): 53 %
  • Vor Ort im Fachgeschäft: 47 %

FRAGE 2: Wie viel Geld würdet ihr für eine gut sitzende Reithose von guter Qualität  bezahlen (können)? 

  • Bis 50 Euro: 10 %
  • Bis 100 Euro: 65 %
  • Bis 150 Euro: 25 %

 


Quellenangaben im Text stehend und nachfolgend:

(1) Laut meiner Rechercheanfrage an die Produktionsfirma in Kanpur, Indien & Angaben in jeweiligen Etiketten der Reithosen. Email liegt vor.

 

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