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Mobbing in Reitställen

Mobbing in Reitställen

Mobbing im Reitstall: Das ist mittlerweile leider nichts Ungewöhnliches mehr. Mobbing erfahren Kinder, Jugendliche oder Erwachsene überall dort, wo viele Menschen aufeinandertreffen. Und in einem Reitstall mit verschiedenen Pferden, Reitweisen oder Ausrüstungsgegenständen ist das Läster- und Mobbingpotenzial riesig.

Mobbing im Stall ist ja nichts Neues. Das gab es schon vor 20 Jahren, nur leider hat die Qualität durch die Neuen Medien dazugewonnen: Peinliche Bilder oder Videos werden nun rasend schnell verbreitet. Das Mobbing-Opfer hat scheinbar nirgends mehr Ruhe.

Warum schreibe ich heute über Mobbing im Reitstall? Ich glaube, das ist ein Thema, mit dem wir uns befassen müssen. Egal ob wir selber reiten oder ob es die Kinder oder Enkel sind: Jeder kann ein Mobbing-Opfer sein, jeder kann aber auch Täter oder Mitläufer sein.

Ihr schreit empört auf: ICH doch nicht! Das mag in einigen Fällen tatsächlich so sein, sind wir jedoch (sehr) ehrlich zu uns selbst, dann haben wir in Situationen bereits geschwiegen, wo wir unterstützen hätten können. Auch ich stand schon an der Bande und habe fröhlich lästernd über Mitreitende geurteilt. Lästern ist per se ja auch gesund, denn Zuhörer bedeuten soziale Kontakte und dies wiederum soll bekanntlich die Lebenserwartung steigern. Nein, das habe ich mir nicht ausgedacht, googelt mal “lästern & gesund”. Lästern und Tratschen ist das Eine, andere aktiv mobben wiederum eine ganz andere Nummer.

Was ist eigentlich Mobbing?

“Mobbing oder Mobben als soziologischer Begriff beschreibt das wiederholte und regelmäßige, vorwiegend seelische Schikanieren, Quälen und Verletzen eines einzelnen Menschen durch eine beliebige Art von Gruppe (…)” [wikipedia]

Wer mobbt warum?

“Die Täter haben oft grundsätzlich eine starke Neigung, andere zu manipulieren, Macht über andere gewinnen zu wollen oder sie zu verletzen. Sie werden vielfach von ihrem Umfeld als Anführer wahrgenommen, akzeptiert und bewundert und beeinflussen so häufig eine ganze Gruppe oder Klassengemeinschaft. (…)” [br.de/gesundheitsgespräch]

Wie funktioniert Mobbing im Reitstall?

Mobbing hat viele Gesichter: Wenn harmlose Lästereien überhand nehmen und Mitreiter offen auf einen zeigen, die Person bei anderen schlecht macht oder Lügen herum erzählt. Manchmal äußert sich Mobbing auch so, dass das Mobbingopfer komplett ignoriert wird; weder gegrüßt noch Neuigkeiten mitgeteilt.

In einem Reitstall wurden wiederholt Gegenstände geklaut. Ein Bekannter hat mich hinter meinem Rücken bei den Reitlehrern angeschwärzt und zudem erzählt, ich würde allen Pferden die Schweife abschneiden. Nachdem ich den Stall wegen der Schikanen der Reitlehrer und Mitreiter verlassen hatte, kam heraus, dass eben dieser Bekannte alles gestohlen hatte. Achja, ich war elf. 

Machtgier ist ein Grund fürs Mobbing. Geschickt umgeben sich solche Menschen mit Menschen, die wie ein Fähnlein im Wind agieren: Die bestärken den Mobber in seinem Tun sind insgeheim der gleichen Meinung – Selbstreflexion adé.

Im Stall anzutreffen sind aber auch Neider mit kleinem oder keinem Selbstwertgefühl. Die Abwertung des Opfers soll den eigenen Status aufpolieren. Diese Form von Mobbing ist in Reitställen relativ häufig; ob jemand besser reitet oder aussieht, schnell ist ein Grund gefunden, den oder die Gemobbte fertig zu machen.

Gelegentlich mobben Leute auch aus Angst, dahinter steckt meist eine psychische Erkrankung: Der Mobber fühlt sich als Opfer (und wurde vielleicht sogar selber einmal gemobbt).

Im Stall findet häufig verbales Mobbing statt: Beschimpfungen und Beleidigungen sind an der Tagesordnung. Aber auch nonverbales Mobbing auf der Stallgasse ist beliebt: Hier quälen die Täter das Mobbingopfer durch abfällige Blicke, Getuschel und Nachäffen.

Eine Reitlehrerin konnte nicht damit umgehen, dass ich einen Traber ritt. Während meiner Prüfungsphase ließ ich ein Mädel aus der Nachbarschaft im Unterricht reiten. Während des Unterrichts zog die Reitlehrerin über mich her, als gäbe es kein Morgen mehr. Mich beschimpfte sie als “Faulpelz, der andere für mich reiten lässt” und “blöde Ziege”. Das Fehlverhalten ging über einen längeren Zeitraum; auch Futter für die Pferde wurde teilweise vorenthalten. Der Vereinsvorstand zauderte, da kündigten wir fristlos und zogen in einen anderen Stall. 

Was hilft gegen Mobbing im Stall?

Was über normales Gerede hinaus geht, ist schon mit Vorsicht zu genießen: Wenn erstmal eine Dynamik entstanden ist, ist sie schwer zu bremsen.

Werde kein Mitläufer!

Merkst du, wie immer die gleiche Person Opfer von Intrigen oder Gerede wird? Beteilige dich nicht daran: Fehlendes Interesse entzieht Mobbern den Nährboden. Wird eine Person in deinem Beisein gemobbt, zeig Zivilcourage: Wenn du dich nicht traust, dich direkt einzumischen, sprich später mit dem Opfer oder suche Hilfe und Beistand bei einer Autoritätsperson.

Ein Mädchen hat aus Neid den halben Stall gegen mich aufgestachelt: Als ich sie zur Rede gestellt habe, hat sie alles abgestritten. Sogar die Stallbesitzerin schenkte mir keinen Glauben. Wir haben das Pferd eingepackt und haben den Stall gewechselt. 

Raus aus der Opferrolle!

Ein Gerücht macht die Runde? Da heißt es, Mut zusammennehmen und den Hetzer direkt darauf ansprechen. Ich empfehle, einen “stillen Beistand”, eine Vertrauensperson, mitzunehmen.

Wer nicht alleine ist, wird uninteressant für Mobber: Wer Stallkollegen zu Rate zieht, hat im Notfall Unterstützung.

Mit einem Tagebuch lässt sich Mobbing belegen, das Schreiben hilft auch bei der Verarbeitung.

Das Mobbing hört nicht auf? Stallbesitzer oder Reitlehrer einbeziehen und Unterstützung verlangen.

Um nicht in der Opferrolle unterzugehen, empfehle ich, rechtzeitig nach Alternativen zu suchen: Ein anderer Stall, womöglich im anderen Landkreis, je nachdem, wie ausgeprägt das Mobbing war. Artet Mobbing aus, kann Strafanzeige wegen Verleumdung gestellt werden. Hierzu gibt es bereits einige Urteile.

Ich durfte den Youngster einer Freundin reiten, ein Pferd auf Grandprix-Niveau. Einfach so, weil ich gut reiten konnte und durch Traber auf eine weiche Hand “spezialisiert” war. Zu meinem Pech wollte das die Auszubildende im FN-Stall auch – durfte aber nicht. Anschließend wurde ich weder gegrüßt noch über Neuigkeiten informiert. Im Gegenteil, über mich wurde kräftig hergezogen. Ich war 16. 

Und nicht vergessen: Auch Selbstreflexion ist wichtig: Ist es schon Mobbing oder hat jemand berechtigte Kritik geäussert? War es eine einmalige Frechheit oder ist der Mitreiter einfach ein Charakterschwein? Verhalte ich mich anmaßend oder reagiere falsch in bestimmten Situationen? Es hilft, die Situationen mit Freunden oder Vertrauten durchzusprechen, um Mobbing klar zu erkennen.

Ich möchte auch die ermutigen, die sagen, ich kann meinem Pferd keinen Umzug zumuten. Doch. Das kannst du. Denn Mobbing greift die Gesundheit an. Mobbing verursacht psychische Probleme. Mobbing macht krank. Es gibt keinen Grund, jemanden zu mobben. Außer du bist neidisch, machtgeil oder ganz klein mit Hut. Aber dann such dir professionelle Hilfe.

Mobbing ist scheiße. Ehrlich, Leute! Mich hat es oft getroffen, ich war das perfekte “Opfer”. Habt ihr auch schon Mobbing im Stall erlebt oder in Pferdegruppen? Erzählt mal!

Kollegen schreiben hier über: Leben und leben lassen und Lasst euch nicht unterkriegen

Hilfe bei Mobbing und Depressionen:

Telefonseelsorge anonym und kostenfrei / Telefon: 0800/111 0 111 (24 h)

Mobbing-Zentrale 0152/ 34 34 30 70

Mobbing Beratung München 089/ 60 60 00 70 (Dienstags von 15 – 18 Uhr & Donnerstags von 9 – 12 Uhr)

Übersicht Hilfe für Mobbingopfer

 

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