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Colitis X bei Pferden – Tödliche Gefahr aus der Biogasanlage

Colitis X bei Pferden – Tödliche Gefahr aus der Biogasanlage

Colitis X bei Pferden – das ist eine tückische, schnell hereinbrechende Krankheit. Colitis X, das ist ein Traberwallach, der eines Tages tot im Stroh lag. Colitis X, das ist ein Rennpferd, das elendiglich an den Symptomen verstarb. Colitis X, das ist ein Pony, das vom Tierarzt erlöst werden musste. Colitis X, das ist ein verstorbenes Dressurpferd in der Ausbildung.

Warum ist Colitis X so gefährlich?

Colitis X beim Pferd: Die Sterberate bei erkrankten Pferden liegt zwischen 50 bis 70 Prozent. Wird die Colitis X nicht behandelt, sogar bei 90-100 Prozent. Die gefährliche Krankheit kann mittels ständiger Überwachung durch den Tierarzt und verschiedene Medikamente eingedämmt und geheilt werden, leider gelingt das nicht immer. Pferde können innerhalb weniger Stunden aufgrund des hochgradigen Flüssigkeitsverlusts sterben oder werden eingeschläfert.

Wodurch wird Colitis X beim Pferd ausgelöst?

Eine Schlüsselrolle bei der Erkrankung betroffener Pferde spielen die Keime Clostridum perfringens und Cl. difficile sowie die dazugehörigen Toxine. Beide Erreger können im Pferdekot und im Darminhalt beständig nachgewiesen werden. Bei gesunden Pferden werden diese Keime so gut wie nie (oder nur in geringer Anzahl) nachgewiesen.

Faktoren wie Stress – beispielsweise bei Transporten, Umzug, Schmerz, Krankheit, Antibiotika-Behandlung uvm.) begünstigen das Auftreten von Colitis X beim Pferd. Die Darmflora verändert sich und schafft so den Nährboden von Clostridien im Darm. Ihr kennt das vielleicht von euch selbst – bei Stress oder Antibiotika-Einnahme wird eure Darmflora angegriffen, es kommt zu Magen-Darm-Problemen. Ähnlich ist das auch bei vielen Pferden: Unter Stress wird die mikrobielle Barriere des Darms reduziert und die Ansiedlung von “schlechten Bakterien und Keimen” wird so begünstigt.

In Kanada gab es wohl versehentliche Beimischungen von Antibiotika im Kraftfutter (von seiten Futterhersteller), dies führte zu so einer Begünstigung von Colitis X. Auch Schwermetallvergiftungen sind unter Umständen Auslöser für Colitis X. Ein Befall der kleinen Strongyliden durch fehlerhaftes Entwurmen kann die Krankheit ebenfalls auslösen.

Gefahr aus der Biogasanlage – Erreger für Colitis X nachgewiesen

“(…) Der als nosokomialer Keim bekannte Erreger C. difficile wurde dagegen vergleichsweise häufig
nachgewiesen. Hier besteht weiterer Forschungsbedarf. (…)”

Die im Jahre 2015 beauftragte Studie der Bayrischen Landesanstalt für Landwirtschaft beweist, dass dieser Keim in Biogasanlagen vorkommt – und das häufig. Was bedeutet das für den Pferdehalter? Was hat eine Biogasanlage mit meinem kranken Pferd zu tun?

Der sogenannte Gärrest – ein Gemisch aus schwer abbaubaren organischen und anorganischen Stoffen – wird meist als landwirtschaftlicher Dünger verwendet. Dieser enthält neben Stickstoff, Phosphor und teilweise Schwefel auch den nachgewiesenen Keim C. difficile, der Colitis X auslöst. Die Studie der Bayrischen Landesanstalt besagt allerdings, dass beispielsweise die Gärreste hygienischer als die Rohgülle wäre (bei den Keimen EHEC und C. botulinum).

Lasst eure Pferde nicht von gedüngten Wiesen fressen, fragt euren Stallbesitzer, ob und wie die Weiden gedüngt werden und macht ihn auf einen möglichen Zusammenhang mit Colitis X und der Düngemittel aufmerksam.  

Was sind die Symptome für Colitis X beim Pferd?

Symptome bei Pferden mit Colitis X können u.a. folgende sein:

Apathie, exzessiver hypovolämischer Schock (Verminderung der zirkulierenden Blutmenge, auch Volumenmangelschock genannt) und sehr wässriger Durchfall, auch blutiger Durchfall, gerade bei Kolikpatienten. Viele Pferde nehmen keine Nahrung und Flüssigkeit mehr zu sich.

Colitis X bei Pferden behandeln

Falls keine bakterielle Infektion auftritt, wird Colitis X nur symptomatisch bekämpft: Der o.g. Volumenmangelschock, die große Anzahl an Endotoxinen werden vorrangig behandelt. Die sehr teure Behandlung von Colitis X findet meist ein der Tierklinik unter ständiger Überwachung statt. Unter unten stehendem Link findet ihr eine Therapieempfehlung (vetline). Einige Medikamente sind in Deutschland nicht zugelassen, werden aber von wenigen Tierärzten trotzdem besorgt und verwendet. Eine Empfehlung kann und darf ich als Blogger nicht aussprechen. Der behandelnde Tierarzt ist hierbei um Rat zu fragen. Seid ihr euch unsicher oder verschlechtert sich der Zustand des Pferdes, zieht sofort eine zweite fachärztliche Meinung hinzu. Mehreren Pferden hat das schon das Leben gerettet. Es gibt leider Tierärzte, die die Dringlichkeit von Colitis X nicht erkennen oder unzureichend behandeln.

Habt ihr bereits Erfahrungen mit der tückischen Krankheit Colitis X gemacht? Ich gebe zu, bis vor kurzem kannte ich den Begriff gar nicht. Bis drei Pferde im Bekanntenkreis daran erkrankten und starben.

Zum Abschluß möchte ich euch noch eines mitgeben: Manchmal könnt ihr gar nichts gegen solche tödlichen Krankheiten machen. Manchmal wurde der Grundstein schon im Fohlenalter gelegt, mit mangelhafter Entwurmung. Gebt euch keine Schuld an dieser tückischen Krankheit oder dem Tod eures Pferdes, falls Colitis X ausbricht. Die Krankheitserforschung steckt hier noch in den Kinderschuhen. 

Ich habe bei meiner Stute regelmäßig Darm-Aufbaukuren nach Antibiotika-Gabe gemacht, nach tierärztlicher Rücksprache, um den Darm zu mobilisieren. Ob und wie das vorbeugend helfen kann, ist nicht bekannt. Und jetzt geht euer Pferd knuddeln und gebt diese wichtige Info an eure Stallpartner oder Reitbeteiligungen weiter: Kein Grasen lassen auf fremden Wiesen!

Eure Victoria


Quellen: C. Baums (2002): Typhlocolitis beim Pferd. In: Proceedings der 17. Arbeitsgruppentagung der Fachgruppe Pferdekrankheiten der DVG am 25. und 26.4.2002 // R. McConnico: Acute equine Colitis. Comp. Cont. Edu. Pract. Vet. 25 (8) 623-631 (2003) // Vetline.de // Alison A. Moore Keir, Henry R. Stämpfli, James Crawford: Outbreak of acute colitis on a horse farm associated with tetracycline-contaminated sweet feed Can Vet J 1999; 40: 718-720 // Abschlussbericht “Verhalten von EHEC und krankheitserregenden Clostridien in Biogasanlagen” (Bayrisches Staatsministerium für Landwirtschaft und Bayrisches Staatsministerium für Umweltschutz) Bayrische Landesanstalt für Landwirtschaft 2015 //

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