Pferdebesitzer 2. Klasse – liegts am Traber oder am Outfit?

Pferdebesitzer 2. Klasse – liegts am Traber oder am Outfit?

Kleider machen Leute, das wusste ja schon Gottfried Keller im 19! Jahrhundert. Ist heute ja nicht anders, allerdings ausgeweitet auf Autos, Immobilie und Pferd. Und schwupps sind wir beim Thema: Auch Pferde machen Leute! Kennt ihr? Kennt ihr.

Viele von uns halten Traber als Reitpferde, wenige als Rennpferde. Traber als Reitpferde genießen oftmals nicht den besten Ruf, das habe ich ja hier schon mehrfach erörtert (siehe Links unten im Text). Aber einige Pferderassen sind augenscheinlich dafür prädestiniert, Reiter in Schubladen zu stecken, ja, gar herabzustufen.

Ehemalige Rennpferde gehören dazu. Aber auch Ponys (vor allem die mit Winterfell, oha!), Wald-und-Wiesen-Mixe sorgen mitunter für missliche Stimmung im heimischen Stall. Apropos Stall; auch hier zählt vor allem eines: Geld. Nicht etwa, dass das Ross gut untergebracht ist, artgerecht, mit Auslauf in einer Herde oder so: Nein, wenn hier nicht genug Schotter fließt für die 40 qm große Box mit Paddock und einem Teppichläufer von Weide, dann wird schon einmal prompt die Nase gerümpft.

Billiger Offenstall vs. teure Paddockboxen

Rümpfen tun übrigens nicht nur Mitreiter, sondern auch Stallbesitzer. Wer löhnt, bekommt, oder so ähnlich. Sollen die Offenstallpferde mal ruhig die Silage mampfen. Der Paddockstall bekommt fein duftendes Heu, frisch von der Alm. Da ist das Tränkebecken kaputt im Offenstall? Sollen die Gäule doch ruhig aus der Pfütze saufen, wofür stehen die denn den ganzen Tag draußen. Ja, beim Offenstaller ist nicht so viel zu holen. Gruppenhaltung ist meist günstiger und nicht so zeitaufwendig. Allerdings sind die Pferdebesitzer meist sehr treue Einsteller und bleiben Jahrzehnte. Aber fährste nicht mit dem Benz vor, haste Pech.

Von der Haltungsform geht es zur Reitweise: Freizeit? Pühhhhh. Keine Turniere, keine Freunde – in einigen Ställen. Egal, ob das Ross piaffiert oder nicht. Auch einsame Westernreiter in Turnierställen tun sich häufig recht schwer, wobei das ja mittlerweile “ccol” ist. Mittlerweile geht ja der Trend zum billigen Zweit- oder Drittsattel zum Ausreiten, da ist ein Westernsattel ja schon schick. Glänzt ja toll!

“Treffen zwei Dressurreiter einen Islandpferdereiter…” Kennt ihr? Macht nichts, ihr könnt euch vermutlich denken, wie der ausgeht. Den Töltern wird ja auch Mobbing gegenüber anderen Pferden nachgesagt. Wer das glaubt, liest mal kurz HIER nach. Bitte, gerne.

Für euch getestet:

Der Höhepunkt ist erreicht, wenn man als Offenstaller mit Traber, Wald-Wiesen-Mix und Pony im Reitverein aufschlägt, um die Springanlage zu nutzen. Gegen Bezahlung natürlich; aber auch Freizeitpferde gehören ordentlich trainiert. Da rollen sich bei einigen Mitstreitern die Bandagen von alleine rückwärts auf. Hoppala!

Kleider machen Leute

Früher bin ich in alten Pullovern geritten, die gehörten meinem Bruder; sprich, die durften dreckig werden. Wer heute nicht mit der farblich abgestimmten Kombi auf dem Pferd sitzt, wird kritisch beäugt: Kann die überhaupt reiten? Rot beißt sich schließlich mit orange? Und was soll die grüne Reithose zur pinken Schabracke? Also ehrlich! Und dann noch womöglich diese Billigheimer von Stiefeln von XY…

Das wiederum führt dazu, dass die großen Hersteller Billig-Equipment auf den Markt werfen, angereichert mit Schadstoffen, hergestellt unter unwürdigen Bedingungen. Aber die Reithose darf nur 30 Euro kosten. Muss ja jährlich ne neue Hose her. Neue Kollektion, ihr wisst schon.

So reitet ihr künftig erster Klasse

Ihr habt es satt, Fußabtreter zu spielen? Ihr wollt auch zur Avantgarde von Bauer Blumentals Reitstall in Buttenheimhinten gehören? Dann passt genau auf:

  1. Verkauft den Ackergaul von der Rennbahn und holt euch so einen abgedrehtes Warmblut, was bei etwas Wind schon zuckt. Ist halt sensibel!
  2. Heiratet reich oder macht zwei bis drei Nebenjobs, die Box mit Paddock kostet so viel wie eine Wohnung in der Münchner Innenstadt. Offenstall ist für Loser.
  3. Immer schön farblich abgestimmt aus dem Auto steigen. Die Satteldecke MUSS zur Jacke passen.
  4. Apropos Auto: Pump deine Bank an und kauf dir was Wertiges; so ein 1er-BMW ist als Pferdebesitzer zwar nicht ganz so praktisch, aber hey, es ist BMW! Das zählt! Den Hänger zieht dir bestimmt die Freundin aus dem Offenstall.
  5. Schnallt euch Sporen um und setzt ein Sportscap auf. Zack, Bereiter!
  6. Nie zugeben, dass ihr etwas nicht könnt. Im Zweifel nicken und Weitergehen. Der Ruf als Profi wird euch vorauseilen.

Was ihr aber auch machen könnt: Stolz auf eure Traber oder Wald-und-Wiesen-Mixe sein. Und die Herrschaften, die glauben, Reiter oder Pferdebesitzer in Klassen teilen zu müssen, meiden. Ein Reitstall lebt von Empfehlungen (und Googlebewertungen). Auch die bissigen Mitreiter haben ihr Säcklein zu tragen. Macht es wie ich: Lächeln und nicken. Oder winken. Da muss man nicht so nah ran.

Und nun hoch die Tassen; denn wir Traberreiter sind ja schließlich First Class gewohnt! 

Bild: Traber beim Turnier, Klassenbester. Danke Claudi fürs Foto.

Vorsicht, Text enthält Spuren von Humor. 

HIER WEITERLESEN:

Traber & Vorurteile

Traber – Kritik – die falsche Zielgruppe

Traber reiten – Umstellung zum Reitpferd

Urlaub für Traberfreunde

 

 

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