Fitter Reiter, gutes Pferd – ist das so einfach?

Fitter Reiter, gutes Pferd – ist das so einfach?

Fitte Reiter, Fitness für Reiter und Pferde und Reitergewicht dominieren gerade die sozialen Medien. Fitte Reiter reiten gute Pferde, unfitte Reiter schlechte? Ganz so einfach ist es nicht, aber es gibt einen Zusammenhang. Warum die eigene körperliche Fitness ausschlaggebend für gute Reiterei ist, darum geht es heute auf dem TRABERBLOG.

Ich gebe es zu, ich möchte ausbalanciert auf dem Pferd sitzen können, zügelunabhängig reiten und nicht mit den Beinen klammern. Das Pferd soll locker flockig, unaufgeregt und fleißig vorwärts laufen, im Takt und aufmerksam dem Reiter gegenüber. Ich möchte mit meinem Pferd ohne Probleme Stangentraining absolvieren oder Ausritte in allen Geschwindigkeiten reiten können.

Aber ich will auch vernünftig auf dem Reitplatz arbeiten können; Seitengänge, Schlangenlinien und flüssige Übergänge. Davor und danach versorge ich das Pferd, kehre den Hof und fahre Mistkarren weg. Spontan noch mit dem kranken Pferd der Freundin ein Stündchen Spazieren gehen? Kein Problem. Noch schnell beim Kinderreitunterricht mitgeholfen und anschließend das Heu gestapelt, das gerade auf den Hof fährt.

Immer am gleichen Problem im Sattel zu knabbern?

Klingt im Grunde nach ganz normalen Anforderungen, oder? Nach normaler Reiterei? Nach normaler Stallarbeit? Für viele von euch ist das sicherlich auch noch so. Aber dann gibt es auch noch Reiterinnen und Reiter, bei denen das anders abläuft. Diejenigen, die schrecklich gern reiten, sich toll um ihr Pferd kümmern, aber dennoch körperlich kaum aktiv sind. In den Reitstunden staut sich der Frust, das Pferd läuft schon wieder nicht so toll, man selbst hat das Gefühl, alles falsch zu machen.

Der Grund ist häufig ganz einfach: Mangelnde körperliche Fitness. Das klingt jetzt vielleicht hart, ist aber in den meisten Fällen das Problem.

Körperliche Fitness als Reiterin oder Reiter – davon hängt alles ab

  • Wie soll sich denn Reiterin oder Reiter auf das Erlernen neuer Dinge konzentrieren, wenn noch nicht einmal der zügelunabhängige ausbalancierte Sitz klappt?
  • Wie soll denn die Stangenarbeit funktionieren, wenn Kraft und Ausdauer für leichten Sitz fehlen?
  • Wie soll das Pferd denn geschmeidig laufen, wenn Reiterin oder Reiter permanent im Ungleichgewicht herumhoppeln und an den Zügeln ziehen?
  • Wie soll das Springen klappen, wenn Reiterin oder Reiter nicht aus dem Sattel kommen, weil die Körperbeherrschung quasi Null ist?
  • Wie soll Reiterin oder Reiter Spaß an Ausritten haben, wenn alleine Aufsteigen im Gelände ohne Aufsteighilfe nicht machbar ist, weil das Bein nicht weit genug nach oben kommt?
  • Wie soll eine Reiterin oder ein Reiter seine Angst vor dem Herunterfallen verlieren, wenn durch fehlende Muskulatur kein Halt auf einem schnellen Pferd möglich ist?

Diese Aufzählung könnte ich jetzt beliebig weiterführen. Aber wer vom Putzen schon so erschöpft ist, dass Reiten zur Nebensache wird ODER Reiten satt hat weil nichts vorwärtsgeht und man ständig am gleichen Problem arbeiten muss ODER Reiterliche Ziele unerreichbar scheinen ODER Nach 15 Minuten Reiten völlig platt ist – … der sollte dringend seine körperliche Fitness überprüfen.

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Abends noch eine Runde drehen, wenn es länger im Job gedauert hat: Bewegung ist alles.

Traberreiter müssen fit sein – sonst gibt es Probleme

Gerade Traberreiter profitieren von der eigenen Fitness. Traber sind eigentlich Fahrpferde, das heißt, ihre Anatomie wurde auf einen Zweck gezüchtet: Schnelligkeit und Ausdauer vor dem Wagen. Von Reitergewicht tragen war da einst nicht die Rede.

Selbstverständlich muss nicht nur der Reiter fit sein, sondern auch das Pferd. Bei einem Traber gehören die tragenden Muskeln ordentlich gefördert. Und die Balance unterm Reiter. Und all das können wir nur, wenn auch wir körperlich fit sind, ausbalanciert und geschmeidig im Sattel sitzend.

Die Vorteile körperlicher Fitness für ReiterInnen liegen klar auf der Hand:

  • Wir sitzen besser im Sattel, können uns gut ausbalancieren
  • Die Hilfen werden feiner, die Kommunikation verbessert
  • Reiten und Stallarbeit fallen insgesamt leichter, es strengt nicht mehr so an
  • Wir werden leistungsfähiger und ermüden nicht so schnell
  • Wir erhalten durch unsere körperliche Fitness im Sattel auch die Gesundheit unseres Pferdes
  • Die Gymnastizierung fällt uns leichter, weil Entlastungssitz und leichter Sitz kein Problem darstellen
  • Sind wir selber gut ausbalanciert, können wir unser Pferd dahingehend fördern

Aber wie werden wir fit? So fit, dass unser Pferd davon profitiert und wir das in unseren eng gefassten Tagesablauf integrieren können?

An dieser Stelle springt Iris Charles mit ihrem Buch “Fit aufs Pferd” ein. Einfach und verständlich erklärt sie Grundlagen, warum Dressurreiter etwas andere Schwerpunkte setzen müssen als Springreiter oder wie wir einfach und wie wir schnell an Kraft, Koordination und Körperspannung zulegen.

Zeitsparende Workouts für Reiter

Mit 7-Minuten-Workouts gegen Sitzprobleme, einem durchdachten Fitness-Check und Tipps für Alltagstraining im Stall geht Iris die Problemzone “Fitness” bei Reiterin und Reiter an. Was mir besonders gut gefällt, sind die verschiedenen Probleme und die Lösungen, die im Buch präsentiert werden.

Lösungen für Alltagsprobleme dank Fitness

Beim Problem “Mein Pferd hebt sich im Trab und im Galopp häufig heraus und geht gegen die Hand” gibt es stichpunktartige Lösungsansätze wie beispielsweise “Sind Ihre treibenden Hilfen schwächer als ihre Hand?” oder “Schauen Sie im Spiegel, ob Sie eventuell schief sitzen und dadurch keinen “Zug” von hinten nach vorne herstellen können.” Weitere Lösungsansätze komplettieren die Fragerunden.

Ich hatte mir bewusst obiges Beispiel herausgesucht, da ich weiß, dass Traberreiterinnen und Traberreiter häufig damit konfrontiert werden.

Dehnung am Anbindeplatz spart Zeit

Auch Probleme wie klopfende Schenkel, Rundrücken auf dem Pferd, Spaltsitz, nickender Kopf, Stuhlsitz u.a. sind im Buch beschrieben: Woher die Probleme rühren und wie ihr sie einfach mit einigen Übungen lösen könnt (regelmäßig, versteht sich). Ganz gr0ßartig sind übrigens die Bildbeschreibungen, so seht ihr, wie die Übungen ausgeführt werden. Da hüpfen Frauen in Reithosen über Hütchen auf Feldwegen, andere mobilisieren sich am Koppelzaun oder dehnen sich am Anbindeplatz.

Iris Charles ist übrigens Sport- und Pädagogiklehrerin und reitet selbst bis Klasse S Dressur. Als Amateurreitlehrerin weiß sie auch genau, wo es bei uns Freizeitreitern hakt.

Körperliche Aktivität in Reitställen kaum mehr nötig

Ich empfehle dieses Buch von Herzen, weil es einlädt, Spaß am besseren Reiten zu finden und Probleme von uns selbst aktiv gelöst werden können – gesundheitliche Probleme einmal ausgeschlossen.

Was ich auch sehe, unabhängig vom Buchtipp, ist die mangelnde körperliche Betätigung im Stall.

Früher halfen wir bei der Heuernte, misteten selber, mussten den Hufschlag nach jeder Reitstunde rechen oder den Hof kehren. Oder mal eine Reitstunde mit einem Anfänger mitlaufen. In den meisten Ställen kümmern sich Pfleger und Maschinen um diese Aufgaben.

Mir half Yoga, als ich merkte, dass meine eigene Fitness nachließ. Interessanterweise bedient sich auch Iris Charles in ihrem Buch einiger Yogaübungen, da diese sehr effektiv sind (regelmäßig ausgeführt).

Hand aufs Herz: Wer betreibt Ausgleichssport, ist fit und dehnt sich regelmäßig? Und nein, nur Reiten alleine schafft es nicht, euch so fit zu halten, wie ihr es bräuchtet. Vor allem, wenn ihr glaubt, dass ihr stagniert und auf der Stelle tretet (ohne Piaffe).

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