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Entspannter Umgang mit dem Pferd – Tipps von Angela Koberstädt (EQUILA)

Entspannter Umgang mit dem Pferd – Tipps von Angela Koberstädt (EQUILA)

Angela Koberstädt ist 30 Jahre alt und arbeitet als „Head of Horse Management“ für Organisatoren der spektakulären Pferde-Show „Equila“ in München. Heute erklärt uns Angela im Interview, wie sie den entspannten Umgang mit dem Pferd forciert und verrät, was dafür ausschlaggebend ist.

Angelas Werdegang ist von Pferden geprägt, sie machte eine Ausbildung zur Pferdewirtin im Gestüt Achselschwang, arbeitete später in einer Tierklinik mit und hängte noch ein Studium der Pferdewirtschaft mit Praktikum auf dem Gestüt Birkhof an. Aus ihrem Erfahrungsschatz plaudert sie heute beim TRABERBLOG:

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Pferdehalter in der Pflicht – welches ist die optimale Haltungsform?

Für einen entspannten Umgang mit dem Pferd sind – ganz wertfrei – unterschiedliche Komponenten nötig bzw. möglich. Entscheidend ist meiner Meinung nach tatsächlich das Management, nicht die reine Haltungsform:

Was bietet der Betrieb meinem Pferd? Wie lange kommen die Pferde bei Boxenhaltung hinaus? Hat der Betrieb auch genug Flächen, Matschpaddocks und Weiden? Wird mein Pferd ausreichend bewegt?

Hier sehe ich den Pferdehalter in der Pflicht: Er entscheidet, wie sein Pferd – ganz individuell angepasst – untergebracht wird.

Hier bei Equila haben wir rund 100 Pferde – und viele unterschiedliche Haltungsformen: Showpferde sind anders untergebracht als unsere eigenen Equiden. Paddockboxen zählen übrigens nicht zur Auslaufzeit. Auch Hengste dürfen hinaus, aber manchmal gestaltet sich das Zusammenspiel aufgrund von verschiedenen Kulturen und vielen Pferdebesitzern nicht ganz einfach; da machen wir aufgrund unserer Gesetzeslage Druck.

Im Showgeschäft ist gerade für das Gewohnheitstier Pferd eine gleichbleibende Umgebung wichtig: Gleicher Boxennachbar, gleicher Paddocknachbar. Das nimmt den Stress.

Entspannter Umgang heißt auch – die richtige Fütterung

Magenprobleme sind durch Stress schnell verursacht. Wir achten streng darauf, dass wir genügend Heu vorrätig haben – entsprechend hoch ist unsere Lagerkapazität. Heufütterung ist immens wichtig, unsere Pferde erhalten immer ausreichend gutes Raufutter. Damit wollen wir dem Ursprung, dem Lauftier Pferd, das kontinuierliche Fressen ermöglichen. Bei der Kraftfuttergabe schneidern wir den Futterplan komplett auf das Individuum Pferd bzw. Equide zu. Viele Pferde erhalten außerdem – ähnlich den Rennpferden – auch Elektrolyte, da die Arbeit im Showpalast anstrengend ist.

Entspannte Jungpferdeausbildung – entspanntes Reitpferd

Essentiell für einen entspannten Umgang mit dem Pferd ist natürlich auch die Ausbildung zum Reitpferd. Pferde, die aus einer halbwilden Aufzucht kommen und am Tag X auf einmal mit dem Menschen kooperieren sollen, haben Stress.

Besser ist es, Pferde behutsam an den Menschen zu gewöhnen und zur Ausbildung erfahrene ältere Pferde hinzuzuziehen, das bestärkt das Vertrauen. So ist das Anreiten mit weniger Stress verbunden. Pferde schauen sich auch viel von ranghohen Tieren ab, das sollten sich Pferdebesitzer zu Nutze machen.

Lernen ohne Stress – Tipps für (Traber-)Reiter

Ein Pferd ist nur ohne Stress lernfähig. Reiter sollten Rituale zur Entspannung einführen, beispielsweise das Reiten am langen Zügel. So können Pferd und Reiter während des Trainings öfter einmal durchatmen und die Konzentration ist danach wieder besser. Ein wichtiger Punkt ist das Stehen: Das sollte ein Pferd immer zuerst beherrschen. Ich persönlich arbeite gerne mit der Doppellonge, da Pferde auch vom Boden aus viel lernen – auch im Gelände.

Wer ein junges Pferd zuhause hat, sollte seine Aufmerksamkeit auf das Gerade richten konzentrieren: Jungpferde geradeaus reiten, enge Kreise vermeiden.

Mein Tipp: Individuell und offen auf jedes Pferd zugehen. Nicht nach Schema X verfahren und auch an sich selbst arbeiten: Die eigene Stimmung überträgt sich immer auf das Pferd.

Sei ehrlich zu dir selbst – kannst du den Charakter deines Pferdes bedienen? Manchmal gibt es Pferd-Reiter-Kombinationen, die nicht füreinander bestimmt sind. Da helfen dann auch keine Korrekturen.


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Bild & Text: EQUILA/ Angela Koberstädt

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