Heute habe ich leider keinen Skandal für euch

Heute habe ich leider keinen Skandal für euch

Was wäre die Reiterswelt ohne ihre Skandälchen: Langeweile pur, vermute ich. Angefangen bei den Lästereien am Reitplatzrand bis hin zum (a-) sozialen Netzwerken in Facebook, Instagram und Co., nicht ohne die virtuelle Hinrichtung ahnungsloser Reitersleute, die gutgläubig Fotos und Videos hochladen: Bis hin zu den obersten Gremien, der FEI oder der FN und auch bei Profireitern bleibt kein Auge trocken. Autsch. Die Reiterswelt braucht ihre Skandale, virtuellen Abfalleimer, um seelischen Müll oder kochende Wut zu entladen.

Es geht natürlich auch anders, aber sind wir ehrlich: Ein jeder von uns stand schon am Reitplatzrand und hat es besser gewusst. Leute kritisiert, die im Besitz des silbernen Abzeichens waren und auch Profireiter. Nicht, dass wer frei von Fehlern wäre, was rede ich: Gerade beim Reiten lernt man ja nie aus. Nie, nie, nie. Wir können alle nur dazulernen.

Statt uns aufzuregen, mit Fäkalwörtern um uns zu werfen oder virtuelle Urteile über Personen zu fällen, die wir gar nicht kennen, könnten wir auch gesittet diskutieren, andere Meinungen gelten lassen oder in den sozialen Netzwerken mal weiterscrollen. Aber wer bitte möchte denn diese rosarote Wattebausche-Einhornwelt? Genau. 

Wie erwartet, schlägt der Beitrag letzte Beitrag über die Oliveira Stables hohe Wellen. Ich begrüße ausdrücklich konstruktive Kritik als auch Anregungen, einige Punkte besser zu formulieren. Ich hatte überlegt, ob ich in den Pferdegruppen mit den Lesern diskutieren sollte (ich habe mich für “ja” entschieden) und freue mich, dass die meisten Leser sehr sachlich in die Diskussion gingen. Unverschämte Nachrichten, anonym via PN, beantworte ich erst gar nicht (das gab es leider auch). Ich hatte versprochen, noch etwas auszuholen, einige Leser hatten noch Fragen. Ich versuche, meinen Standpunkt so gut es geht zu formulieren.

Sylvia und Jana hatten sich vermehrt kritisches Hinterfragen, gerade in Bezug auf das Reiten mit Kandare, gewünscht:

Vielen Dank euch erst einmal für das Heraussuchen der Textstellen.

Das Reiten auf Kandare finde ich persönlich nur vertretbar, wenn ein Reiter damit umgehen kann. Die Reitschülerin, die ich kurz beschrieben hatte, kann anscheinend sehr gut reiten – auf ihren eigenen Warmblütern. Daher durfte sie wohl auch auf Kandare reiten. Das Pferd hätte wohl ablongiert gehört und war dementsprechend gut drauf (ich hätte nicht darauf sitzen wollen, das sag ich hier ganz ehrlich). Das Vorgehen war ein Fehler vor Ort und wurde auch so kommuniziert.

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Hier geht es zum Original-Beitrag

Wie die Reiterin normalerweise reitet, kann ich nicht beurteilen. Fest steht, sie musste einen rennenden und steigenden Hengst händeln. Am Ende der Unterrichtseinheit hatte sie das Pferd auch gut im Griff, ihre eigene Unsicherheit war überwunden. Sie hätte jederzeit aufhören können; Manuel hat sie durch die Einheit begleitet, um Ruhe reinzubringen. Hier hätte ich die Situation ausführlicher schildern müssen, um Mißverständnissen vorzubeugen.

Insgesamt haben wir bei den Three Hearts ganz unterschiedliche Ausbildungsstadien gesehen: Ganz ruhige Schulpferde mit Reitschülern, die sich wenig zutrauten und eben auch sehr temperamentvolle Pferde mit Reitern, die solche Pferde nicht gewohnt sind. Außerdem Reitschüler, die sehr sicher und harmonisch auf den Pferden saßen. Wir wurden von Frau Sonntag durch diese Vorführung begleitet und haben uns ihre Schilderungen angehört (und uns dennoch ein eigenes Bild gemacht). Ich persönlich hätte nicht bei jedem dieser Reiter eine Kandare verschnallt. Leider habe ich in der Situation nicht genau nachgehakt, ab wann auf Kandare geritten wird. Alle anwesenden Schüler sind schon mehrfach in den Oliveira Stables zugegen gewesen oder haben ihr Pferd dort stehen.

Sarah schreibt, man liest heraus, dass der Text nicht unvoreingenommen ist und kritisiert die harte Hand:

(…) “Ich finde, man liest schon aus den ersten Sätzen heraus, dass der Text nicht unvoreingenommen ist. Lustig fand ich die “ruhige” und “feine Hand” von Christina Wunderlich. Warum ist auf den Videos davon nichts zu sehen? Auf den Videos sehe ich eine Frau im Stuhlsitz, die verhältnismäßig grob einwirkt und oft genug im Zügel hängt. Ich sehe jedenfalls keine Reiterin mit Kandarenreife. Da frage ich mich: reitet sie für die Videos extra schlecht? Wie macht sie das? Das wäre wirklich eine Leistung.”

Tatsächlich kenne ich nicht jedes Video der OS. Auf die Stallungen bin ich erst durch einschlägige Pferdegruppen auf Facebook aufmerksam geworden. Hier wurden ständig Videos geteilt und in der Luft zerrissen. Insgesamt habe ich mir vielleicht vier Videos angesehen. Ich bin der Meinung, dass auf Videos oder Fotos nicht immer die ganze Wahrheit dargestellt werden kann (von mir auf dem Pferd gibt es ganz unmögliche Bilder, Peta würde direkt demonstrieren kommen). Ich wollte wissen: Wie läuft das da vor Ort? Dazu muss ich nicht 1001 Video ansehen. Ich mache mir persönlich ein Bild davon. Das Beschriebene habe ich so nicht erlebt, aber höre viele Stimmen, die davon sprechen. Was soll ich zu obigem schreiben? Die Leserin scheint viele Videos gesehen zu haben, ich war vor Ort. So hat wohl jeder eine andere Meinung.

Lulu und Krissy finden die Konstellation Videos vs. Berichterstattung unstimmig:

(…) “Ich finde den Text wie gesagt auch gut, das einzige, was ich wirklich kritisieren würde, ist, dass du die Videos als ungeschickt Marketing ‘abtust’. Ich denke, bei einer kritischen Betrachtung sollte durchaus auch erwähnt werden, wieso so ein schlechtes Bild entsteht. Es geht hier ja nicht grundsätzlich um Ideologie gegen Ideologie, sondern auf den Videos zeigt sich zum Teil ja auch Verhalten (Bsp. Harte Hand oder durchhängender Rücken), das Grund zur Kritik gibt. Das kommt bei deinem Beitrag halt nicht so richtig durch, daher kann ich verstehen, wo die Meinungen, dass es ‘Propaganda’ sei, her kommt.”

Eine hilfreiche Kritik, danke dafür. Da ich nicht alle Videos – ich glaube, nur so vier Stück – angesehen habe, bin ich im Text überhaupt nicht groß darauf eingegangen; das war nur der Aufhänger für den Besuch. Das schlechte Bild in den sozialen Medien kommt tatsächlich wie ich glaube durch ungeschicktes Marketing, gepaart mit dem Unwissen, wie social networking funktioniert. Facebook scheint fest in der Hand der Verlagsleitung zu sein, sie filmt auch mit Begeisterung (so auch bei den Three Hearts). Leider filmt sie oft Dinge, die sie selbst begeistert, aber ohne Kontext völlig irrational wirken. Und auch die Interpretation misslingt häufig. Ich versuche mich an einem Beispiel: Wenn meine Traberstute Bock hatte, übers Feld zu galoppieren und unsere Meinung dahingehend völlig auseinanderging, sah man ein wild tanzendes Pferd mit aufgerissenem Maul, eine harte Reiterhand (die dem Rennpferd erklärte, dass wir nicht losrasen), das Pferd schäumte vor lauter Hysterie, offensichtlich ein Fall für den Tierschutz. Filme ich das und zeige das auf Facebook, erwartet mich ein Shitstorm. Verhält sich dort wohl ähnlich. Eine Leserin meinte dazu: Machen die das evtl. absichtlich? Negativkritik bringt einen ja auch ins Gespräch… Da ist was dran.

Eine andere Blogleserin erzählte mir, dass viele der Übersetzungen wohl auch von der Verlagsleitung nicht korrekt wiedergegeben werden. Der Interpretationsspielraum ist wohl groß. Das Bild, das von Manuel in den Sozialen Netzwerken kursiert, entspricht nicht dem, was ich dort gesehen habe.

Fakt ist, dass sich wohl jeder selbst ein Bild dort machen kann – kritische Fragen sind durchaus erwünscht. 

Ich hoffe, ich konnte die offenen Fragen ausreichend beantworten und habe nichts vergessen. Falls doch, schreibt mir doch hier in die Kommentare, da komme ich eher zum Antworten als auf Facebook und Co.

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