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Klimakrise & artgerechte Pferdehaltung – Ist euer Stall schon klimafit?

Die Sommer werden heißer, das Frühjahr trockener und das Wetter extremer. Grund genug, den eigenen Stall mal unter die Lupe zu nehmen. Die Klimakrise wartet nicht auf uns.

Bei Temperaturen über 30 Grad mehren sich die Fragen, ob Pferde bei diesen Temperaturen überhaupt bewegt werden sollen (Spoiler: Ja). Ich stelle mir momentan die Frage, was Stallbetreiber unternehmen müssen, damit die Pferde mit den Wetterextremen artgerecht leben können.

In asiatischen Ländern und auch in den USA sind viele Reitställe bereits klimatisiert oder mit Deckenventilatoren ausgestattet. Klimatisierte Ställe habe ich in Deutschland bisher kaum welche gesehen. Es ist auch fraglich, ob Klimaanlagen in Stallungen Sinn machen. Das in Klimaanlagen enthaltene Kühlmittel schädigt nämlich erheblich das Klima. Ich zitiere das Umweltbundesamt: (…) “Die verwendeten Kältemittel sind in über 95 Prozent der Klimaanlagen äußerst klimaschädlich.” (…)

Schlaue Kühlung & Belüftung bei Hitze im Pferdestall

Einige Stallausrüster bieten bereits jetzt sogenannte EC-Axialventilatoren mit Schutzgitter und Diffusor an, beispielsweise ebm-papst. Mit Ventilatoren können Ställe eine gleichbleibende Temperatur halten. Außerdem lassen sie sich individuell einstellen, zum Beispiel via App.

Moderne Systeme erfassen außerdem Luftfeuchtigkeit und den Ammoniakgehalt, der bei hohen Temperaturen ebenfalls steigt und Lungenentzündungen begünstigen kann.

Alternative Baumaterialien & Bauweisen für Stallungen

Einige Stallgebäude werden neuerdings in Lehmbauweise errichtet. Das Naturmaterial erlebt seit einigen Jahren einen echten Aufschwung in Sachen Ökologie und wird auch in Deutschland öfter verbaut. Die Kombination aus Lehm, Holz und Stroh kühlt auf natürlichem Wege. Auch Pferdeställe.

Aber auch moderne Konzepte zur Errichtung neuer Stallanlagen sind gefragt: Ein Kamineffekt im Gebäude sorgt dafür, dass heiße Luft oben entweichen kann und kühle Luft von unten nachkommt. Dazu ist ein hoher Dachfirst nötig und entsprechende Lüftungseingänge.

Ein US-Unternehmen hat einen Stein für Häuserwände entwickelt, der warme Luft abkühlt. Die sogenannte “Cool Bricks Wand” wäre eine interessante Sache auch für Pferdeställe.

Nicht nur Bauweisen, auch Sport und Haltung müssen überdacht werden. Robustpferderassen fühlen sich tendenziell im Norden wohler, und Turniere und Rennen könnten nach Sonnenuntergang stattfinden. 

Außenbegrünung an Pferdeställen

Wer seine Fassaden begrünt, macht vieles richtig: Eine flächendeckende Begrünung der Außenwände lässt im Sommer rund zehn Liter Wasser pro Quadratmeter verdunsten, das Laub soll ca. 80% des Sonnenlichts aufnehmen. Das wiederum erhöht die Luftfeuchtigkeit im Hof und sorgt für kühlere Temperaturen in Ställen. Große Blätter schützen außerdem die Bausubstanz vor Hagel, Regen und UV-Strahlung. Wichtig für Stallgebäude: Das Blattwerk sollte ungiftig sein oder nicht für Pferde frei erreichbar.

Dachbegrünung auf Ställen mit Moosen kühlen zusätzlich

Moose können sehr viel Wasser speichern. Dadurch ergeben sich ebenso kühlende Effekte. Allerdings muss die Dach-Begrünung durch einen Statiker errechnet werden (Untergrund, Speicherung des Wassers etc.).

Pferdestall-Dachbegrünung_klimawandel-pferdehaltung

Hitze vermeiden & Schattenplätze schaffen

Ich sehe es leider immer noch: Pferde auf der Weide, in der größten Mittagshitze, ohne ein Fleckchen Schatten. Manchmal auch ohne Wasser. Das ist nicht artgerecht, Punkt. Schattenplätze lassen sich mit Büschen oder Hecken einfach schaffen. Wo es diese Möglichkeiten nicht gibt, kommen fahrbare Unterstände zum Einsatz. Oder man stellt die Tiere nur Nachts auf die Weide und lässt sie tagsüber im Stall.

 

„Seit Beginn der 1980er-Jahre hat sich die Anzahl der Stunden im Stall, die über 25 Grad lagen, mehr als verdoppelt.“ Günther Schauberger, Veterinärmedizinische Universität Wien

Wasser-Verneblungsanlagen in Ställen

Spezielle Verneblungsmaschinen lassen Wasser verdunsten und als feinen Sprühregen durch die Luft schweben. Das kühlt und erfrischt die Tiere gleichermaßen.

Intelligente Wasserversorgung

Wir haben doch Tränken, denkt ihr bestimmt. Leben die Pferde aber im Offenstallverbund, ist nicht gewährleistet, dass rangniedrige Tiere jederzeit ans Wasser dürfen. Daher muss die Wasserversorgung durchdacht sein. Brunnen oder Teiche können in einigen Stallungen die Wasserversorgung ergänzen. Löschteiche sind eine praktische Alternative und machen auch Sinn im Zuge eines Löscheinsatzes bei Waldbränden. Allerdings gibt es für die Beschaffenheit strenge Auflagen.

Wo das Trinkwasser knapp wird und Brunnenbohrungen schwierig sind, sollte über im Boden eingelassene Wassersammelanlagen nachdenken.

Regelmäßige Umgebungskontrolle

Stallbetreiber müssen die Gebäude und die Umgebung häufiger auf Eignung überprüfen. Sturmschäden an Bäumen bedeuten unter Umständen Lebensgefahr, altersschwache Bäume neben Gebäuden müssen entsprechend von Fachleuten überprüft werden. Liegt der Stall in Überflutungsgebieten, lohnen sich unter Umständen künstliche Erhöhungen auf der Weide. Gerade, wenn die Umgebung vorher noch kein ausgewiesenes Überschwemmungsgebiet war. Außerdem müssen Stallgebäude ausreichend Schutz vor Hagel und Gewitter bieten.

Professionelles Haltungsmanagement

Alte oder kranke Pferde vertragen Wetterwechsel und Hitze nicht gut. Daher müssen Stallbetreiber besonders auf diese Tiere achten und entsprechende Vorkehrungen treffen. Außerdem gehört dazu, die Böden auf Nährstoffe zu kontrollieren und die Qualität des Wassers sicherzustellen. Bei hohen Temperaturen ist auch auf das Mikro-Stallklima zu achten. Und welche Einstreu macht Sinn, bezogen auf Umwelt, Klima und Klimawandel? Welche können Allergien auslösen oder das Immunsystem zusätzlich triggern? Einige Ställe nutzen gar keine Einstreu mehr, sondern nur noch Gummimatten: Das ist ressourcenschonend. Dafür stehen einzelne “Sandkästen” zum Wälzen bereit.

Wo seht ihr bei euren Ställen das meiste Potenzial zur Veränderung? Was wünscht ihr euch von Stallbesitzern? Oder steht das Pferd schon im idealen Stall?

Bilder: Carlo Prearo shutterstock, Budimir-Jevtic

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