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Alkohol, S*x & Drogen – Eskalation im Reitsport

Alkohol, S*x & Drogen – Eskalation im Reitsport

Die Nachricht ging durch die Medien wie ein Lauffeuer – Junge Springreiter aus dem Nationalkader stehen im Verdacht, sich an jungen Frauen bzw. Mädchen vergangen zu haben. Vorausgegangen waren Alkoholexzesse, teilweise wurden wohl auch K.O.-Tropfen verabreicht. Der Reitsport hat ein Problem: Alkohol.

Aachen. Ein junger Springreiter, 19 Jahre, zweifacher deutscher Meister, 2017 Ranglistenerster seiner Klasse*, macht sich an ein junges Mädchen ran. Sie wehrt sich, er dreht ab mit den Worten (…) “…dann f*ck ich eben deine Schwester” (…). Besagte Schwester ist 15 Jahre alt.

Die beiden Schwestern gehören selber zu den erfolgreichsten Jungen Reitern in Deutschland. Sie wehren sich, beschweren sich bei der FN. Im Juli wird der junge Mann von der FN gesperrt.

Dass das Thema gerade hochkocht, hat einen Grund: Ein Insider aus der Jugendreitszene hat ausgepackt, außerdem wurde vom Verband ermittelt. Ein tiefer liegendes Problem steht wohl dahinter; das ist der Umgang mit dem Alkohol unter den jungen Springreitern (und vielleicht auch anderen Reitern).

Alkohol im Reitsport – wer zuerst das Glas absetzt, verliert

Die Alkoholexzesse werden von den Trainern und den Verantwortlichen heruntergespielt, es wird abgewiegelt.

Dass Reiter in trinkfreudiges Völkchen sind, das habe ich selber bereits auch am eigenen Leib erfahren. Es wurde sich, Verzeihung, teilweise um den Verstand gesoffen. In den Reitställen, in den FN-Reitvereinen, am Abend, an Turnierwochenenden. Vor allem an Turnierwochenenden. Ich weiß noch, dass viele Reiter mit ordentlicher Fahne an den Start gingen. Einige kamen ohne Hilfe gar nicht mehr auf ihr Pferd. Aber was muss das muss – ein Springen der Klasse M stand schließlich an.

Sexuelle Belästigung im Reitverein

Sexuelle Belästigung gab es auch schon zu meinen Jugendzeiten in den Reitvereinen der FN. Vornehmlich Springreiter (sorry für das Klischee) gruben die jungen Mädchen von der Seite an. Auch mich. Ich war damals 16,17 Jahre alt. Ich hatte noch einmal nach dem Pferd gesehen und wollte in Stüberl, zu den anderen Reitern. Da stellte sich damals ein – im Umkreis recht bekannter – Springreiter in den Weg. Mit Alkoholfahne. Er fing an mich zu begrapschen. Im Nachhinein finde ich es sehr erschreckend, dass das für mich fast eine lästige Selbstverständlichkeit war – ich konnte mir recht energisch meinen Weg bahnen. Kam ja öfter vor. Auch dass junge Reiter aus dem Landeskader zum Reiter-Ball einluden – das machte einen schon stolz als junges Mädchen. Er bezahlte. Und wollte entsprechende Gegenleistungen. Das war gang und gäbe früher – und heute vermutlich auch.

Was ist schon ein “Nein” bei den jungen (und alten) Herren?

Dass das mittlerweile auch “oben” angekommen ist, ist nicht verwunderlich. Heißt es nicht, der Apfel fault vom Stamm? Neu sind jetzt K.O.-Tropfen und LKW-Partys. Auf den hiesigen Turnieren, da wackeln teilweise die Transporter. Mädels zerreißen sich den Mund über eine junge Frau, die gleich mit mehreren jungen Springreitern auf einem großen Turnier im Landkreis Aichach-Friedberg zur “Party” im LKW geladen wurde. Ob das freiwillig geschah? Der Neid ist auf jeden Fall groß, die jungen Reiter begehrt. Und das nutzen sie für ihre Zwecke aus.

Ein anderer bekannter Springreiter aus Bayern konsumiert ordentlich Drogen und verkauft auf den Turnieren fleißig Stoff. Der Veranstalter eines Turnieres wurde darauf hingewiesen, man schritt nicht ein. Niemand wollte einen vermeintlichen VIP verärgern. Das Alkoholproblem lasse ich mal außen vor.

Ja, der Alkohol, der gehört schon lange zum guten Ton in der elitären Reiterei. Schon als 14-jährige hat man uns empfohlen, einen Schnaps vor dem Parcours zu trinken – gegen die Angst. Prüfungsangst. Reitabzeichen. Eine Freundin nahm das Angebot an. Aufmunternde Worte? Achwo, der Alkohol, der richtet es. Schlechter Ritt? Hoch die Tassen!

Beschämend finde ich übrigens, dass die FN nach Meldung des obigen Vorfalls mit den beiden Schwestern ein halbes Jahr gebraucht hat, um dies an die Staatsanwaltschaft Münster zu melden. Und der Reiter, der startete weiter. Seine Sperre war nämlich noch nicht rechtskräftig. Otto Becker, der Trainer, besorgte dem jungen Mann weiterhin Startplätze. Geld verdirbt den Charakter, nicht wahr? Übrigens; der junge Mann ist damit nicht alleine – die Vorwürfe gelten noch für einige andere junge Springreiter, die 2017 in den Top Ten ihrer Klasse standen. Sie führten angeblich Strichlisten, wie viele Mädels sie klar machen konnten… 

Jetzt sollen Alkoholkontrollen eingeführt werden. Ludger Beerbaum, weltbekannter Springreiter, hatte nach dem Bericht des SPIEGEL ein hartes Durchgreifen gefordert. FN-Präsident Breido Graf zu Rantzau zeigte sich bestürzt über die Vorfälle und gesagt, dass es sich hierbei um Einzelfälle handele. Letzterem schenke ich keinen Glauben – aus meiner ganz persönlichen Erfahrung mit dieser Branche.

Ich finde, es ist Zeit, diesen pseudo-elitären Altherren-Club in Warendorf und Münster auszumisten. Hier geht der sportliche Erfolg und das damit verbundene große Geld vor Fairness, vor Moral und vor Gerechtigkeit. Und der Reitsport, der stand einmal für diese Werte. Das ist aber schon lange her. 

Cheers, Victoria

Wie sind eure Erfahrungen in Sachen Reiterei und Alkohol? Schreibt mir gern anonym in die Kommentare oder per Email!


Wer noch mehr zum Thema lesen möchte, dem empfehle ich diesen Beitrag.

*Quelle Spiegel 36/2018

Beitragsbild exemplarisch und zufällig gewählt

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Also meiner Meinung nach und auch aus Erfahrungen kann ich sagen, dass das kein Problem ist das die Menschen im Reitsport haben, sondern dass dies ein generelles Problem unserer Gesellschaft ist. Das einzige was sich vielleicht unterscheidet ist die Qualität von dem was konsumiert wird. Bei den Reitern eben der hochwertige Whisky und bei der unteren Gesellschaftsschicht dann eben der billige Vodka. Und bei anderen Drogen eben genau so. Aber ansonsten ist das ein Problem, welches man überall in der Welt finden wird! Traurig aber wahr.
    Das einzige was ich jedoch absolut nicht akzeptabel finde, ist wenn sich die unter Drogen/Alkohol stehenden Personen im Umgang mit Tieren befinden. Da sollte die FN definitiv stärkere Grenzen setzen. Gut alles andere ist in meinen Augen hauptsächlich der Staat und seine Gesetzeslage zuständig!

    1. Liebe Julia,
      vielen Dank für deinen Kommentar. Du hast Recht, das ist natürlich auch ein Problem der Gesellschaft. Und ja, im Umgang mit Pferden und im Sport sollten bessere Grenzen gezogen werden. Leider ist (viel) Alkohol im Reitsport so populär, dass sich die Verantwortlichen doch noch etwas schwer tun. Und die Umsetzung auf kleinen Turnieren dürfte auch sehr schwierig werden…

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