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Reiten im Winter: Die besten Tipps gegen Aufstollen, Rutschgefahr & Eishände 

Reiten im Winter: Die besten Tipps gegen Aufstollen, Rutschgefahr & Eishände 

Reiten im Winter kann ja so zauberhaft sein: Im Galopp durch Glitzerschnee, plüschige Pferdeohren und Pulverschnee-Idyll im Märchenwald.

Und dann gibt es die andere Seite: Hufe, die aussehen wie Schneekanonen, glatte Reitplätze mit Mini-Kratern und Hände, die Eiskönigin Elsa neidisch machen würde.
Um Eishänden, blauen Zehen und Pferden auf dem Catwalk zu entgehen, teile ich meine besten Tipps für den Winter mit euch. 

Aufstollen beim Pferd im Winter verhindern 

Traber sind leichtfüßige Sportskanonen – außer im Tiefschnee, da verwandeln sie sich gerne in aufgestollte Supermodels auf vier Beinen. Nur das Laufen klappt nicht ganz so graziös wie bei Heidis Kandidaten. Und damit die Hufe nicht bei jedem Schritt „plopp“ machen, versuch mal folgende Tipps:

Barhufpferde stollen deutlich weniger auf, regelmäßiger Hufservice ist aber Pflicht. Lange Zehen + Schneematsch = Schneebomber-Modus.

Vor dem Reiten kurz die Hufe mit einem Hufkratzer und einer festen Bürste reinigen. Huföl oder Huf-Fett nur sehr dünn! Keine dicke Schicht – die friert sonst und macht’s schlimmer.

Beschlagen? Dann rein mit dem Grip! Eisen mit eingebauter „Pop-out“-Gummischeibe drücken die Schneeklumpen automatisch heraus – genial und absolut empfehlenswert. Klappt aber auch nicht immer zuverlässig. 

Hilfreich sind auch Videastifte am Eisen, ebenso wie Stollen. Für einige interessant sind sicher auch Hufschuhe mit Glätteschutz. 

Einige Reiter schwören ja auch auf Fett+Öl-Mixe, Haarspray oder sogar ein Hauch Kochspray – aber nur kurzfristige Lösungen, die je nach Schneequalität 15–30 Minuten halten. Selbst getestet habe ich das noch nicht, aber vielleicht einer von euch?

Rutschgefahr: Sicher mit Pferd durch Eis, gefrorenen Boden & glattes Gelände

Traber sind Experten im Boden gutmachen. Nur halt nicht unbedingt auf dem Eis (außer, wir sind in St. Moritz – das sieht dann anders aus). 

Wenn’s draußen gefrierend glatt ist: Kein Reiten auf blankem Eis. Punkt. Kein Traber der Welt ist rutschfest wie die vielgepriesenen Reifen aus der Werbung.

Streusalz am Stall? Lieber sparsam einsetzen – schlecht für Hufe und Pferdehaut. Im Offenstall haben wir in der Not benutztes Stroh aus dem Unterstand verstreut – alles besser als Wegrutschen. Auch Sägemehl hat Grip, wenn es trocken bleibt. Im Stall haben wir im Winter Gummimatten auf der Stallgasse ausgelegt, damit die beschlagenen Pferde nicht auf dem nassen Stein wegrutschen konnten. 

Was tun bei: Gefrorene Wiesen & Wege

Nur im Schritt reiten, höchstens sanft antraben, wenn der Boden eben ist. Alternativ auch gerne Übungen wie Halten, Seitwärts, Tempiwechsel, um das Pferd zu beschäftigen.

Reitplatz gefroren? Meist gleicht ein Reitplatz im Winter einer Kraterlandschaft. Es hilft, den Reitplatz zumindest zwei Hufschläge breit nach dem Reiten abzuziehen, falls es über Nacht wieder friert. So könnt ihr zumindest einen Teil nutzen. Ansonsten: Gefrorenen Platz meiden oder maximal Schritt. Das liegt ja auch im Ermessen der Stallbetreiber. 

Alternativ mache ich im Winter gern kleine Hallen-Workouts, Longieren an der Hand, Bodenarbeit, Balanceübungen und Übungen für den „Kopf“. 

Eiskalte Hände & Füße beim Reiten vermeiden

Wir alle kennen es: In der Hand haben wir eine Zügelverbindung, am Fuß erfriert gerade der kleine Zeh. Aber auch Hände werden kalt. Dünne Handschuhe – wenn möglich aus Wolle – unter normalen Reithandschuhen  halten  mehr Wärme.

Für extrem kalte Tage: Winterreithandschuhe mit Grip (sonst hältst du die Traber-Express-Zügel nicht mehr). Für Ausritte nutze ich auch einfach Skihandschuhe. Die gibt es auch bei Discountern zu guten Preisen. Ebenso wie Skiunterwäsche. 

Und Handwärmer gehören auf jeden Fall in die Jackentasche, zumindest bei mir. Und Ersatzhandschuhe, falls die anderen zu nass werden. 

Warme Füße – goodbye Zehen-Eiszeit

Thermosocken + dünne Socken drunter: Luftschicht = Wärme. Fell- oder Thermo-Reitstiefel sind Gold wert. Aber im Winter ziehe ich einfach oft Winterschuhe an, wenn ich nicht gerade Springtraining mache. Ohne Steigbügel ist auch der Absatz völlig egal bzw. der Grip. 

Achtet übrigens auch auf euer Schuhwerk: Zu engen Schuhe engen den Blutfluss ein und das führt schnell zu kalten Füssen. Auch Einlegesohlen unterstützen: Mit Aluschicht, Lammfell oder beheizbar: Gönnt euch!

Wie du dein Pferd warm hältst 

Traber sind sportliche Leichtgewichte und häufig empfindlicher gegen Kältewind, vor allem bei Nässe! 

Reitet gründlich warm – oder führt, das ist dann auch gut für euch und wirkt gegen Frostzehen. 20 Minuten Schritt dürfen ruhig sein. 

Nach dem Reiten Abschwitzdecke benutzen. Schwitzt das Pferd stark, vorher unbedingt mit Stroh abreiben und Decke wechseln. Eine Lage Stroh unter der Decke unterstützt zusätzlich. 

Bei nasskaltem Wetter habe ich eine Nierendecke genutzt, die auch Regen abgehalten hat. Gerade in Distanzreiter-Shops gibt es tolle Varianten zum Einklipsen an den Sattel. Und in Reflektorgelb. Win-win. 

Für Offenstall und Paddock habe ich für die Pferde-Oma gern eine wetterfeste Decke für Temperaturen von minus 10 bis plus 15 Grad genutzt. Ob das nötig ist, entscheidet sich individuell. 

Das Winter-Mindset für Traberreiter

Traber sind Energiebündel – aber im Winter geht’s nicht nur um Tempo. Außer in St. Moritz. Aber da sind wir nicht, gell. Also nutzen wir den Winter und schulen uns in Gleichgewicht, ruhigen Übergängen, Stangenarbeit, Gymnastikübungen und effektiven Einheiten für Kopf und Körper. 

Um einen Traber auszulasten, müssen wir nicht Temporeich über Felder galoppieren (auch wenn das sonst eine entspannende Sache ist). Wichtig ist die mentale Auslastung und regelmäßige Bewegung. Konzentration fordern, abstrakt denken und neue Lektionen kennenlernen: Was möchtet ihr im Winter lernen, umzusetzen? 

Mein liebstes Equipment für Reiten im Winter

  • Biothane-Zügel
  • Kopfstück ohne Nasenriemen oder Zaum mit Glücksrad (alles, wo ich keine Lederriemen fummeln muss – durch das Raynauld-Syndrom kann ich im Winter schlecht hantieren)
  • Lammfell-Satteldecke
  • Fellüberzug für den Sattel
  • Neopren-Sattelgurt
  • Reflektor-Nierendecke wasserdicht
  • Winter-Reitmantel
  • Winterdecke für Plus- und Minusgrade outdoor
  • Thermoskanne Tee
  • Handwärmer
  • Einlegesohlen aus Alu
  • Wollsocken
  • Snowboardhose
  • Winterstiefeletten von Landrover
  • Gummimatten fürs Auto
  • Ersatzschuhe im Auto
  • Ledergebiss (nicht eiskalt im Maul)
  • Stirnlampe
  • Stützstrumpf für Pferde, um das Gewebe warmzuhalten im Offenstall (auf Anraten des Tierarztes bei Lymphproblemen am Hinterbein durch alte Verletzungen)
  • Ohrwärmer, die unter den Helm passen
  • Skimütze für unter den Helm
  • Beheizbare Außentränke
  • Fleecepullover zum Drüberziehen

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