Wenn der Traber zum Problempferd wird

Da rennt er, der Traber. Oder aber er steigt, er schnappt, er rempelt und er bockt. Ein Traber, der zu einem Problempferd mutiert.

Problempferd. Kein schöner Begriff, wie ich finde. Meistens sind es Problem-Menschen, die negativ auf den Traber einwirken. Wobei auch der Begriff Problem-Mensch nicht ganz richtig ist. Vielmehr ist es eine Situations-Kombination: Eine Verständnisfrage.

Der Mensch versteht an dieser Stelle das Pferd nicht richtig. Und das Pferd versteht den Menschen nicht. Frust, Ärger, keinen Bock mehr: Irgendwann sind Pferd und Reiter dann desillusioniert. Oder es kracht richtig. Die Spirale beginnt.

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Es gibt sie, die plüschigen, braven Traber. Mit einem Engelscharakter, so brav, ideale Familienpferde. Ein ausgeglichenes Wesen, Nervenstärke, das sind Zuchtziele. Aber da gibt es auch noch andere: Hitzige, übersensible Traber von der Rennbahn, die einen Reiter ganz schnell überfordern. Schon am Boden beginnt das Drama; das Führen ein Balanceakt. Wer der Chef ist, bekommt der Mensch ganz schnell gezeigt. Die Unsicherheit gegenüber dem Menschen steigt, der Traber „rüpelt“ heftiger. Eigentlich ist der Traber ja bestrebt, Bestleistung zu erbringen, und das heißt Geschwindigkeit. Aber mit nichts ist der Mensch zufrieden.

Ständig meckert, schreit und haut der Mensch. Der Traber wird schneller, heftiger, wehrt sich – diese Ungerechtigkeit! Und die Spirale schraubt sich weiter nach oben.

 

Es gibt sie, diese Pferd-Reiter-Konstellationen, die einfach nicht passen. Sei es aus Unter- oder Überforderung, Fakt ist, ein Traber ist nicht immer das richtige Pferd für einen Reiter. Gut, vielleicht auch gerade nicht DIESER EINE Traber. Vielleicht ein anderer. Einer, der schon gute zehn bis zwölf Jahre auf dem Buckel hat und routiniert als Freizeitpferd läuft. Aber auch hier gibt es keine Garantie, dass das nicht schief läuft. Weil die Verständigung nicht klappt.

Mehr zum Thema Verständigung lest ihr HIER

Weil der Mensch den Traber zum Menschen macht. Zum Kind. Oder Partner. Ihn aber nicht Pferd sein lässt. Oder die Sprache des Pferdes nicht kennt. Wer kennt sich noch aus mit dem Sozialverhalten von Pferden? Welche Pferde leben noch im Herdenverband?

Eure? Nutzt die Gelegenheit, setzt euch dazu, analysiert die Herde; wer hat welche Position inne? Wie reagieren ranghohe und rangniedere Pferde aufeinander? Wer frisst zuerst? Wer geht wem wie aus dem Weg? Ihr habt Kinder? Zeigt ihnen das Verhalten der Pferde, den Umgang untereinander. Wir brauchen mehr Verständnis. Für das Pferd. Und untereinander. Ein Reiter darf auch sagen dürfen: „Das kann ich nicht.“ Oder „Das Pferd kann oder möchte ich nicht reiten.“ Aber auch „Das passt einfach nicht. Ich muss dieses Pferd verkaufen“.

Das sind Sätze, die manchmal salopp dahin gesagt sind, einige Menschen nutzen sie inflationär. Oder geben sich keine Mühe. Aber da sind Menschen, die haben alles versucht. Die haben Angst, sie haben sich vielleicht überschätzt – ja, auch das darf passieren! Dem Pferd zuliebe dürfen sie solche Sätze sagen. Denn manchmal ist ein „Nein“ zu einem Pferd ein „Ja“ zu einer besseren Situation. Für Pferd und Reiter.

In diesem Sinne, denkt positiv über eure Mitreiter & Streiter, da sitzt sichs gleich entspannter im Sattel,

Der Traber

 

 

 

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