Aufgesattelt: Tipps zur Sattelfindung beim Traber

Mit dem Traber und dem richtigen Sattel ist es so eine Sache: Die Sattellage ist anfangs noch nicht konstant ausgeprägt, der Rücken ändert sich, und überhaupt: Viele Traber haben keine einfache Sattellage.

Da wird probiert, getestet und gemessen; von baumlos bis zur Maßanfertigung. Und trotzdem kneifts, der Rücken klemmt. Einige ReiterInnen stopfen einfach dicke Lammfellpads unter den Sattel, soll ja polstern. Das Gegenteil ist der Fall, es drückt nur noch mehr.

Aber woran erkenne ich einen guten Sattel? Wie finde ich passende Sattler? Und was kann ich selber tun?

Einigen Fragen geht der Traberblog heute auf den Grund – ein fröhliches FAQ rund um den Sattel erwartet euch!


Welche Sattelmeßsysteme gibt es?

Gibt es Qualitätskriterien für Sattler?

Sattler haben eine dreijährige Ausbildung hinter sich. Seit 2003 war die Meisterprüfung eine freiwillige Angelegenheit und musste nicht zwingend ausgeführt werden, um einen eigenen Betrieb zu gründen (zulassungsfreies Handwerk).  2009 trat eine neue Verordnung in Kraft. Die Meisterprüfung ist ein Qualitätssiegel und unterscheidet sich nicht von zulassungspflichtigen Handwerksberufen. (Quelle: Handwerksrolle)

Mittlerweile finden sich auch viele „Sattelprofis“ oder „Sattelservices“ auf dem Markt. Das sind keine echten Sattler, einige mögen vielleicht ein glückliches Händchen haben, doch zu 95 Prozent passen deren Sättel nur ungenügend auf ein Pferd. Jeder, der Sättel verkaufen möchte, kann sich „Sattelprofi“ oder „Sattelservice“ nennen. Einige lassen Maßsättel anfertigen – in Südamerika, nach ihrem eigenen Meßsystem. Andere verzichten gänzlich auf die Anprobe mit Reiter. Ich kenne Ställe, die sogar Hausverbote für selbst ernannte Sattelprofis ausgesprochen haben: Zu Recht!

Ja, es tummeln sich viele schwarze Schafe. Denn die Margen bei Sätteln sind verlockend. Hört euch am Besten auch in eurer Umgebung um und sucht euch einen richtigen Sattler. Der hat nämlich richtig Ahnung vom Polstern und Messen. Ein Sattelservice empfehle ich persönlich nur für die Anprobe verschiedener Sättel – die vom Sattler empfohlen wurden (viele Sattler haben kein breit aufgestelltes Sattelsortiment). Natürlich ist der Sattelservice vermutlich günstiger und hat eine geringere Wartezeit: Aber das Ergebnis zählt, oder?

Dann gibt es natürlich noch Sattelservices mit elektronischen Meßsystemen. Hier liegt die Fehlerquote beim Messen recht niedrig; problematisch ist nur das Anpassen selbst. Seriöse Anbieter beschäftigen meist einen Sattler.

Wann ist ein Sattel unpassend?

  • Der Sattel wippt stark in der Bewegung
  • Der Sattel kneift in die Schulter des Pferdes, ein Wulst bildet sich an der Schultermuskulatur
  • Das Pferd verhält sich entsprechend; drückt den Rücken weg, lahmt eventuell, rennt beim Aufsteigen los etc.
  • Der Wirbelkanal liegt nicht frei (durchgucken möglich?)
  • Der Reiter hat Probleme mit dem Sitz
  • Der Sattel rutscht (nach vorne, nach hinten oder zur Seite)
  • Schmerzempfindlichkeit im Rücken/ Widerrist
  • Buckeln oder Kopfschlagen des Pferdes
  • uvm.

Was mache ich, wenn der Sattel trotz Anpassung nicht passt?

Als Kunde hat man in Deutschland ein Recht auf Nachbesserung. Ihr habt den Eindruck, der Sattel passt absolut nicht, rutscht oder drückt? Bittet den Verkäufer/ Sattelanpasser zur Nachbesserung. Hier findet ihr mehr zum Thema.

Das Pferd befindet sich im Wachstum. Muss ich da alle halbe Jahre einen neuen Sattel kaufen?

Ein Pferd verändert sich immer wieder. Ein guter Sattler polstert entsprechend um oder nutzt maßangefertigte Unterlegkissen- oder keile. So muss nicht immer der komplette Sattel geändert werden.

Worauf kann ich als Laie bei der Anpassung achten?

  • Der Sattler legt den Sattel ohne Decke auf das Pferd
  • Der Sattler testet den Sattel an Reiter und Pferd in Bewegung
  • Der Sattler macht sich ein Bild vom Bewegungsablauf des Pferdes
  • Der Sattler misst von Hand oder mithilfe von Meßsystemen, niemals nur anhand von zugeschickten Fotos
  • Der Sattler nimmt auch beim Reiter Maß
  • Der Sattler verzichtet auf Pauschalaussagen zu Pferderasse & passender Sattelmarke

Die Sattlerei Seitz beispielsweise legt Wert auf die folgenden Parameter und erklärt, wie sie die einzelnen Punkte durchführen:

1. Maximale Sattelauflage bis zu 18. Brustwirbel ermitteln
2. Notwendige Ortganglänge und Weite (Kammerweite) des Sattels ermitteln
3. Ideale Strippenführung / Bauchgurtlage festlegen
4. Body Condition Score (BCS) erfassen
5. Gewichts‐ und Belastungsermittlung
6. Den Reiter vermessen

Passt der Sattel überhaupt zu mir?

Die Wade kommt nicht ans Pferd, der Reiter sitzt nicht im Gleichgewicht: Manchmal passt auch der Sattel nicht zum Reiter, auch wenn er vermeintlich gut auf dem Pferd liegt. Ein guter Sattler betrachtet daher immer das Gesamtpaket Pferd und Reiter.

Mein Pferd verändert sich dauernd oder ich finde keinen passenden Sattel: Da kann ich doch ohne Sattel reiten oder mit einem Reitpad?

Kurze Zeiträume können durchaus ohne Sattel überbrückt werden. Reitpads schaden in kurzen Sequenzen sicher auch nicht. Allerdings drücken sie durch den fehlenden Baum auf die Wirbelsäule und schränken damit den Bewegungsablauf ein, Verspannungen und Schmerzen können entstehen. Ohne Sattel bzw. ohne Sattelbaum entsteht punktueller Druck auf dem Rücken, das Reitergewicht wird nicht gleichmäßig verteilt.

Der Sattel liegt zu eng am Wirbelkanal, bis der Sattler wieder kommt, könnte ich doch mit einem Pad polstern?

Nein, wenn der Sattel bereits zu eng anliegt, entsteht durch das Pad weiterer Druck auf Widerrist und Rücken. Auch bei passenden Sätteln ist Vorsicht geboten: Angepasst werden Sättel auf den nackten Rücken, maximal ist eine Satteldecke berücksichtigt. Ein Pad – optisch hübsch, womöglich mit Lammfell – dass Stöße abfedern soll, engt das Pferd dann womöglich zu sehr ein.


Welche Erfahrungen habt ihr mit Sattlern gemacht? Habt ihr bereits einen passenden Sattel gefunden? Gibt es Fragen, die hier nicht beantwortet wurden? Schreibt mir in die Kommentare! EUER TRABERBLOG

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