Der Traber hat die Hufe schön

Ich bin Barhuf-Fan. Einfach, praktisch gut.

Doch ein Traber kommt ohne Beschlag auf der Rennbahn nicht aus. Der Traberblog nimmt die Hufe in die Hand und prüft, was Renn- und Reittraber huftechnisch sonst noch so unterscheidet.

Für Informationen habe ich drei Quellen angezapft; einen Hufpfleger, der nach „Natural Hoofcare“ arbeitet, einen angehenden Hufschmied und Amateurtrainer sowie einen Hufschmied mit über 30 Jahren Berufserfahrung. Ein jeder von ihnen hat eine eigene Meinung, und jeder verfügt über viel Wissen.

Das Wissen habe ich nun auf einen Nenner gebracht und die Kernpunkte herausgearbeitet. Auch wenn meine Quellen unterschiedlicher Meinung in Sachen Hufbearbeitung sind, Ahnung haben sie allemal.

Der Beschlag

Trabrennpferde werden häufig „kalt“ beschlagen. Reitpferde erhalten diesen Beschlag nur selten, Hufschmiede brennen die heißen Eisen auf den Huf.

Der Kaltbeschlag bei Rennpferden erfolgt aus Materialgründen: Ein „Heißbrand“ wäre bei den leichten Aluminiumeisen gar nicht möglich, das Material ist hitzeanfälliger, das Alu-Eisen verliert an Festigkeit. Zudem erfolgt der Beschlag bei Rennpferden im Turnus von rund vier Wochen. Das Aufbrennen würde den stärksten Huf in diesen Abständen schädigen. Mittlerweile haben einige Länder das Beschlagen mit heißen Eisen schon verboten.

Ein weiterer Pluspunkt für den Kaltbeschlag ist das stressfreie Umfeld für das Pferd – kein Zischen, kein Rauch, keine nervigen Pferde. Das Aufbrennen erspart ein erfahrener Hufschmied auch Pferden mit sehr empfindlichen oder kurzen Hufen. Spröden trockenen Hufen entzieht der Warmbeschlag noch mehr Feuchtigkeit.

Der „Warmbeschlag“ entstammt noch aus der Zeit der Kutschpferde. Die Arbeitspferde hatten große Hufe und benötigten dicke Eisen gegen die Belastung. Diese Eisen wurden heiß geformt. Heute wäre diese Art des Beschlags gar nicht nötig.

Übrigens: Traber-Eisen haben eine Stärke von 4-6 mm, Reitpferde-Eisen liegen bei 8-10 mm.

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Die Hufform

Auf der Rennbahn geht es um Schnelligkeit. Windschnittigkeit scheint auch bei den Trabern gefragt zu sein, wie käme sonst die Hufform zustande?

Die Hufe der Trabrennpferde sind zumeist oval und lang gehalten. Eine künstlich herbeigeraspelte lange Zehe hindert das Pferd daran, einfach abzurollen und in den Galopp zu springen. Reine Anatomie. Diese Praxis wird teilweise stark übertrieben und Schäden an den Gelenken sind die Folgen. Die Umstellung auf den Naturhuf benötigt eine ganze Weile, langsame Korrekturen sind gefragt.

Denn Reitpferde sollen ja gut und gesund Abrollen können, deren Hufe sind eher rund und mit kurzer Zehe ausgestattet. Ein seriöser Hufpfleger oder Hufschmied lässt dem Huf Zeit, sich anzupassen und bearbeitet ihn über Monate schonend zurück zur „normalen“ Passform. Ehemalige Renntraber sollten vor oder schnellstens während ihrer Karriere als Reittraber entsprechend schonend umgestellt werden.

Was kann barhuf?

Barhuf schont die Gelenke, der Huf ist weder eingeschränkt noch ist die Blutversorgung durch Eisen beeinträchtigt. Ein gesundes Freizeitpferd benötigt normalerweise keine Eisen. Leider sind auch einige schwarze Schafe unterwegs, die dem Feld-Wald-und-Wiesen-Reiter trotzdem Hufeisen aufschwatzen.

Hufeisen sind eigentlich nur nötig wenn folgende Beispiel-Szenarien eintreten (selbst da gibt es Meinungsdifferenzen):

  • Anatomische Stellungsfehler, die anders kaum auszugleichen sind (orthopädischer Beschlag)
  • Kutschpferde oder Pferde, die viel auf Asphalt laufen
  • Pferde, die besonderen Grip auf schwierigen Böden benötigen (zB. Vielseitigkeit, Rennen, etc.)

Achtung: Eine Umstellung von Vollbeschlag zu barhuf kann u.U. zwölf oder mehr Monate dauern. Pferden mit sehr sensiblen Hufen werden außerdem anfangs Hufschuhe im Gelände empfohlen. Wichtig ist hier die absolut genaue Passform, das regelmäßige Korrigieren des Hufspezialisten und die gründliche Reinigung um Scheuerstellen zu vermeiden.

 

 

 

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