Oldie but goldie: Wenn der Traber älter wird – 2

Ein TRABER im Seniorenalter hat völlig andere Bedürfnisse als ein Jungspund frisch von der Bahn.

Was sind die grundlegenden Unterschiede und was kostet mich das eigentlich monatlich – diese Fragen möchte ich heute versuchen, zu beantworten.

TOP 20 der „Besonderen Bedürfnisse“ älterer Pferde 

  1. Erhöhte Energiezufuhr, vor allem im Fellwechsel
  2. Spezialfutter mit erhöhtem Nährstoffbedarf (Mineralien, Vitamine)
  3. Eingeweichtes Futter durch abgenutzte Zähne
  4. Spezielle Medikamente oder Futterzusätze für altersbedingte Krankheiten
  5. Abwechslungsreiches schonendes Bewegungsprogramm
  6. Zwei Zahnkontrollen jährlich (empfohlen)
  7. Beständigkeit – Stallwechsel bei sehr alten Pferden löst enormen Stress aus
  8. Geduld: Augen und Ohren lassen nach, der Pferdebesitzer muss dies kompensieren
  9. Ausreichend Wetterschutz bei Hitze – der Kreislauf nimmt das sonst übel
  10. Wärme: Mancher Senior muss fortan bei extremer Kälte eingedeckt werden, um die Energiereserven zu schonen

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    Traberstute mit 24 noch topfit auf dem Turnier – aber das Blatt kann sich auch schnell wenden. 
  11. Spezialbeschlag od.ähnl.: Fast nie notwendig, kann aber, auch krankheitsbedingt, passieren
  12. Rechtzeitiger Wechsel der Haltungsform, zB von Offenstall mit großer Herde zu Paddockbox mit Weidegang: Bei Schwierigkeiten oder Krankheit sollte jeder Pferdebesitzer eine Notlösung parat haben und auch den Stallbesitzer einbeziehen
  13. Regelmäßige tierärztliche Kontrolle (Blutbild etc)
  14. Schlechtere Wundheilung, altersbedingt
  15. Rechtzeitige Sattelanpassung durch Muskelverlust (evtl. vom Sattler gepolstertes Unterleg-Pad)
  16. Fellpflege: Alters- und/oder krankheitsbedingt wälzen sich die ganz Alten nicht mehr oft, auch das Kratzen an kritischen Stellen ist schwierig.
  17. Schwächeres Immunsystem: Ein älteres, kränkliches Pferd kann sich schneller bei Infektionskrankheiten anstecken
  18. Flüssigkeit: Gerade bei Hitze besonders wichtig, gern aus dem Eimer anbieten. In einer Herde lassen ranghohe Pferde die rangniedrigen oft nicht an das Wasser oder verdrängen sie wieder
  19. Insektenschutz: Mit Hilfsmitteln für Ruhe sorgen
  20. Im Fellwechsel zusätzlich durch Striegeln unterstützen

Einige Punkte sind natürlich auch bei jüngeren Pferden notwendig, doch meist können diese erfahrungsgemäß mehr kompensieren.

Bei der Anschaffung denken nicht viele Pferdebesitzer an Folgekosten, wenn der Vierbeiner zum Senior wird. Und so ist es kein Wunder, dass der Markt voll von Pferdesenioren und Beistellpferden ist. Traurig, eigentlich, oder?

Allein heute stehen auf einer bekannten Pferdeveräußerungsplattform aktuell knapp 60 Pferde und Ponies über 20 Jahren zum Verkauf.

Mit 300 EUR monatlich lässt sich ein Pferd sein Leben lang nur unter folgenden Bedingungen finanzieren (es gibt viele Leute, die mit diesem Betrag rechnen):

  • Es wird nie ernsthaft krank und ist extrem günstig oder auf Selbstversorgerbasis eingestellt
  • Es wird nicht alt
  • Es wird im besten Alter wieder verkauft oder verschenkt
  • Der Pferdebesitzer erhält finanzielle Unterstützung durch die Familie oder spekuliert auf ein Erbe

Zusätzlich zu den laufenden und Fixkosten sollte ein Betrag X zurückgelegt werden. Falls das Pferd alt UND krank wird.

Was kann denn so ein altes Pferd im Monat kosten?

Das variiert natürlich und kommt auf Alter, Gesundheit und Region an. Allein die Unterbringung ist vermutlich auf dem Land in Mecklenburg günstiger als im Ballungsraum München. Damit fängt die Misere ja schon an. Das folgende Beispiel und ist exemplarisch, kann nicht 1:1 umgesetzt werden.

Beispiel Bayern, ländlicher Raum, Ort mit 11.000 Einwohnern

Fixkosten monatlich 

  • Stallmiete: 300 €
  • Spezialfutter 25 kg eiweissreduziert; krankheitsbedingt von Tierklinik empfohlen: 49 € inkl. Versand
  • Maisflocken, 15 kg, eiweissreduziert zur Energiezufuhr: 16,99 €
  • Versicherung (anteilig): Haftpflicht-, Unfall-, Tierleben- und OP-Versicherung: 33 €
  • Saftfutter, Leckerli (Äpfel etc): 15 €
  • Zusatzfutter Arthrose: 52 €
  • Hufpflege: 45 €

Gesamtausgaben Fixkosten: 510,99 €

Variable Kosten (gleicher Monat)

  • Magnesium-/ Selenkur im Fellwechsel auf Anraten des Tierarztes (Blutbild): 39,95 €
  • Tierärztliche Untersuchung (weisser Rotz, Husten) durch Ansteckung* eines anderen Pferdes: 59,50 €
  • Husten- und Schleimlöser durch Tierarzt verschrieben: 62,96 €
  • Neuanschaffung gebrauchter Ersatz-Regendecke (keine Unterstellmöglichkeit & Dauerregen): 20 €
  • Neuanschaffung Fliegenmaske wegen Zugluft und tränendem Auge: 14,95 €
  • 6 Flaschen Malzbier zur Gewichtszunahme: 2,25 €
  • Neuanschaffung Heusack, da das Fressen aus der vergitterten Raufe zu mühselig ist: 15 €

Fahrtkosten (Umzug, Mitnahme Pferd aufgrund Alters nicht möglich) Hin- und Rückfahrt zum Stall 60 km / 5-6x pro Woche: 9,30 € Spritkosten (Verbrauch 10 l) bei einem Beispiel-Preis von 1,55/l plus 3 € Verschleiß x 5… hier höre ich mit der Rechnerei auf, das deprimiert ja! Ich nenne eine monatliche Pauschale von 250 € – da sind alle Kosten abgedeckt, da Spritpreise und Fahrzeuge variieren

Gesamtausgaben Variable Kosten: 464,61 €

GESAMTAUSGABEN TOTAL: 975,60 €

In einem Jahr kamen weitere Kostenpunkte wie zum Beispiel

  • Klinikbesuch zum Kontrollultraschall der Nieren
  • Tierärztliche Kontrolle und Medikation aufgrund Verletzung durch andere Pferde
  • Mobile Weidezäune zum Abgrenzen der Streithähne
  • Winterdecke
  • Kortisontherapie
  • mobiles Röntgen

auf uns zu. Natürlich ist diese Rechnung kein Maßstab. Trotzdem steigt mit zunehmendem Alter auch unter Umständen die „Tierarzt-Quote“.

MERKE:

Keine Option ist das eigene „herumdoktern“ und „mal abwarten“ bei Lahmheiten oder Infekten. Nur aus Geldspargründen das Tier – und bei Ansteckungsoption auch Andere – zu gefährden und krank stehen zu lassen, ist ethisch nicht vertretbar. Leider nimmt diese Gewohnheit in vielen Pferdeställen auffallend zu.

Und da sage ich ganz klar: Wenn das Pferd krank ist, gehört der Tierarzt her. Keine Facebookgruppen, die aus Entfernung fremddiagnostizieren oder wohlmeinende Freunde (es sei denn, sie haben Tiermedizin studiert). Leicht übersieht ein Laie etwas. Damit meine ich weder den Zeckenbiss oder den Kratzer an der Schulter, sondern Diagnosen wie Lahmheiten, Fleischwunden oder Infektionskrankheiten oder andere Verhaltensauffälligkeiten.

Wer obige Summen nicht aufbringen kann, sollte sich eventuell vor dem Kauf eines Pferdes absichern oder seine Ausgaben zu Papier bringen und einen Finanzplan aufstellen. Bevor das Pferd alt ist.  

Was sind eure laufenden und fixen Kosten? Habt ihr einen Überblick? Und macht ihr euch Gedanken über die „Seniorenzeit“ eures Pferdes?

 

*Ansteckung rechtlich nicht 100% nachweisbar und ohne Besitzereinsicht keine Erstattung der Kosten. Anwaltskosten dagegen zu rechnen hätte nicht gelohnt. 
Beitragsfoto: C. Ams
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