Der Galopp (3): Gangsalat: Gangveranlagte Traber & der Galopp

Den dritten Teil der Galopp-Reihe widme ich den gangveranlagten Trabern. Nicht nur die rein gezogenen Töltenden Traber beherrschen neben den drei Grundgangarten noch Tölt oder Pass.

Circa 90% aller Amerikanischen Traber (oder dem entsprechenden Erbgut) haben mehr oder weniger gut ausgeprägtes Gangvermögen.

Kurz etwas zur Historie: Die Ursprünge des Amerikanischen Trabers stammen aus dem 16. Jahrhundert. Die Pferde der damaligen Kolonisten waren zumeist „Pacer“ spanischer Herkunft, sogenannte Passgänger. Sie waren auf langen Strecken bequem zu sitzen, daher wurde dieses Zuchtziel weiter verfolgt. Im 17. Jahrhundert fanden bereits erste Passrennen statt. Insgesamt spezialisierten sich die Amerikaner früher als die Europäer auf den Rennsport. Später wurden diese Passgänger durch das Englische Vollblut veredelt und wurden wesentlich schneller und auch leistungsstärker. Bis heute gilt der Amerikanische Traber als der Schnellste aller Traberrassen, deshalb findet man ihn mittlerweile in den Zuchtbüchern aller Herren Länder; und damit hat sich die Gangveranlagung entsprechend weiter vererbt und verbreitet.

Traber, die mit Gangveranlagung von der Rennbahn kommen, sind unter Umständen etwas schwieriger umzuschulen. Wie bei allen anderen Gangpferden kann es bei ihnen zur Vermischung von Gangarten kommen (Schweinepass, passlastiger Galopp usw.).

Bei Gangpferden ohne Rennbahnvergangenheit wird zumeist vor dem Galopp der Tölt trainiert. Wichtig ist, erst eine neue Gangart zu erlernen. Wer Galopp und Tölt zugleich als neue Gangarten fördert und fordert, riskiert das Risiko der Gangvermischung und ein unentspanntes Pferd, das nicht über den Rücken läuft.

Ich zitiere Andrea Jänisch, renommierte Ganpferdeausbilderin: „Ein Gangpferd kann sieben oder acht Jahre alt werden, ehe es durch die Ausbildung in der Lage ist, über den Rücken zu galoppieren.“ (Thema weiterlesen unter: http://www.dressur-studien.de).

Manch ein Reiter will die „Sondergänge“ beim Traber gar nicht weiter fördern und konzentriert sich direkt auf den Galopp. Auch hier gilt: Der Traber muss losgelassen vorwärts-abwärts im Trab laufen, dann kann die Galopparbeit beginnen.

Wie in Teil 1 der Galoppreihe (Der Galopp (1): Grundlagen festigen) empfehle ich kurze Sequenzen zum Üben. Mit Stimmkommando erleichert der Reiter das Angaloppieren. Nach den ersten Galoppsprüngen pariert man das Pferd wieder durch (auch wenn es nur das reine Angaloppieren war) und lobt es. Langsam kann der Reiter diese Sequenzen steigern.

Es gibt Pferde, die trotz viel Übung keinen Dreitakt im Galopp springen. Dies kann u. U. genetisch veranlagt sein*.

Um die Tragkraft zu erhöhen, empfiehlt Gangpferdetrainerin Andrea Jänisch die Pferde erstmal weiterhin im Viertakt („gelaufener Galopp“) zu galoppieren, dabei aber das Pferd zu versammeln bzw. die Galoppsprünge zu verkürzen. Wer jetzt einfach nur mehr vorwärts treibt, dessen Pferd erhöht nur das Grundtempo. Aber das Pferd soll im Arbeitstempo bleiben und sich im Galopp „setzen“, dabei hilft kurzes impulsartiges Treiben. Hilfreich für den lockeren Rücken und das Gleichgewicht ist auch die Stangenarbeit unter dem Sattel oder an der Longe. Gerade für gangveranlagte Pferde sind Balance und Takt immens wichtig. Cavalettiarbeit regt die Pferde zum Springen an, das erleichtert später das Galoppieren.

Andere Pferde bevorzugen den Passgalopp statt des Vierschlaggalopps. Hierbei wird der Traber sehr schulterlastig. Die Ursache hierfür ist vor allem das fehlende Gleichgewicht. Hier muss der Reiter geduldig an den Grundlagen arbeiten (siehe auch Traber in Balance oder Praktische Übung zur Gymnastizierung).

Demnächst:

Traber in Balance: Cavalettiarbeit 

*Kann unter anderem bei Trabern, Pasos und Tennessee Walkern der Fall sein. Viele Gangpferde sollen möglichst bequem laufen, daher sind diese „unbequemen Sprungphasen“ unerwünscht.  Die Pferde sind für lange Strecken gezüchtet, der Reiter soll bequem sitzen können. Aber: Manche Pferde sind auch einfach nur körperlich beeinträchtigt.

 

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